Verdächtiges Paket
Bombe im Berliner Kanzleramt von Polizei entschärft
Das Päckchen war gegen 13 Uhr im Kanzleramt eingetroffen. Als Absender war das griechische Wirtschaftsministerium angegeben. Bei einer Explosion des mit Schwarzpulver und einer Sprengvorrichtung gefüllten Pakets wäre vermutlich ein Feuer entstanden, sagten Sicherheitsexperten. Außerdem hätte die öffnende Person wahrscheinlich Verletzungen erlitten. "Das Ding sah so aus, dass jemand ein Zeichen setzen wollte", hieß es in Sicherheitskreisen.
Das Päckchen war in der Poststelle aufgefallen, weil sich Regierungen untereinander keine Sendungen auf normalem Weg zustellen. Die Berliner Polizei setzte einen Spezialroboter ein, der das Paket mit einer Wasserkanone zerschoss. Verletzt wurde niemand. Bundeskanzlerin Merkel war nicht in Gefahr. Sie hielt sich am Dienstag in Belgien auf.
Schwarzpulver könnte Hinweis auf griechische Attentäter sein
Schwarzpulver wie in dem an Merkel adressierten Paket wurde zuletzt auch mutmaßlich von griechischen Autonomen eingesetzt, die seit Tagen Athen mit einer Briefbomben-Serie in Atem halten - unter den Empfängern war nach Medienberichten auch die deutsche Botschaft (siehe Infobox). Am Montag hatte die griechische Polizei außerdem zwei verdächtige Männer festgenommen, bei denen zwei Briefbomben mit Schwarzpulver gefunden wurden, von denen eine an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert war.
Eines der gefährlichen Päckchen wurde gegen Mittag am Empfang der Schweizer Vertretung in Athen abgegeben. Beim Entfernen der Verpackung habe sich der Inhalt in einer Stichflamme entzündet, teilte das Schweizerische Außenministerium mit. Verletzt wurde niemand.
Zwei verdächtige Pakete auf Athener Flughafen entdeckt
Auf dem Flughafen von Athen wurden Dienstagabend zwei Pakete entdeckt und von der Polizei kontrolliert zur Explosion gebracht. Eines der Pakete war an Interpol, das zweite an den europäischen Gerichtshof adressiert, verlautete aus griechischen Polizeikreisen. Die griechische Polizei veröffentlichte am Abend Fahndungsfotos von fünf Männern im Alter zwischen 21 und 30 Jahren.
Hinter dem griechischen Terror steht weniger Glaubenskrieg als vielmehr Klassenkampf (siehe Infobox). Seit Monaten verbreiten radikale griechische Autonome Angst und Schrecken. Als Auslöser der Gewalt gilt der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel im Dezember 2008. Seither kommt Athen nicht mehr zur Ruhe. So wurde im Juni 2009 ein Polizist ermordet. Außerdem gab es mehrere Bombenanschläge auf Polizeistationen, einen Polizeibus und Banken sowie staatliche Einrichtungen. Ende 2009 hatte eine Bombe schwere Schäden am Gebäude einer Versicherung angerichtet.
Zu den Taten bekannten sich die linken Gruppen "Volksaktion", "Revolutionärer Kampf", "Sekte der Revolutionäre" und "Konspiration der Zellen des Feuers". In ihren Bekennerschreiben verkündeten sie, den Sturz des Systems durch Terror und Chaos erzwingen zu wollen. Die Autonomen kritisieren die Finanzpolitik der hoch verschuldeten Regierung Griechenlands sowie der Europäischen Union.
Auch Paketbomben aus dem Jemen sorgten für Aufsehen
Weltweit für Aufsehen hatten zuletzt die Bombenfunde in England und Dubai gesorgt. Ende der Vorwoche hatten Sicherheitskräfte auf einem Flughafen bei Nottingham sowie in Dubai per Luftpost verschickte Paketbomben aus dem Jemen entdeckt und entschärft. Die Regierung des Jemen startete am Dienstag eine großangelegte Militäroperation gegen Top-Terroristen.
Im Mittelpunkt der Suche stehen der Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri, der die Paketbomben hergestellt haben soll, und der von den USA gesuchte Hassprediger Anwar al-Awlaki. Er gilt als Vordenker der Terrorgruppe Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.
Die von westlichen Ländern gegen den Jemen verhängten Flugverbote kritisierte ein Regierungsvertreter in Sanaa als "hastige und übertriebene Reaktion". Dies schade auch Jemens Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus. Die Deutsche Flugsicherung ist vom Verkehrsministerium angewiesen worden, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen bis auf weiteres nicht mehr in den deutschen Luftraum einzulassen. Vorher war lediglich der Transport von Luftfracht aus dem Jemen untersagt worden.
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