29.10.2010 11:56 |

Fehlende Kontrollen

US-Milliarden für Afghanistan-Aufbau vor Ort versickert

Fast 17 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) an US-Hilfsgeldern für Afghanistan sind offenbar direkt vor Ort versickert. Zu diesem Schluss kommt jetzt ein Bericht des US-Sonderinspektors Arnold Fields. Demnach können die USA offenbar nicht zurückverfolgen, ob ihre Gelder ordnungsgemäß verwendet wurden. "Solange wir aber nicht wissen, wo das Geld hinfließt, können wir den Aufbau auch nicht gezielt steuern", schlägt Fields Alarm.

Das Geld wurde von 2007 bis 2009 an insgesamt 7.000 Auftragnehmer vergeben, wie der US-Sonderinspektor für den Wiederaufbau in Afghanistan (SIGAR), Arnold Fields, am Donnerstag mitteilte. Die zuständigen US-Behörden könnten allerdings nicht sagen, wie viel von dem Geld verwendet worden sei.

"Das Problem ist, dass es keine zentrale Datenbank gibt, die den Fluss der Geldströme erfasst. Und solange diese nicht existiert, können wir den Aufbau nicht gezielt steuern", so Fields. Nur dann könnten auch Betrug, Missbrauch und Verschwendung minimiert werden. 

"Labyrinth an Regierungsaufträgen"
Die der Nachrichtenagentur AFP vorliegende Studie geht davon aus, dass die Probleme bis zum Beginn des Wiederaufbaus im Jahr 2002 zurückreichten. Eine genauere Prüfung sei aber nicht möglich, da der Datenbestand zu schlecht sei, erklärte Fields. "Vor dem jetzigen Prüfbericht gab es keine einzige umfassende Studie über das von den USA für den Wiederaufbau Afghanistans ausgezahlte Geld", so der Sonderinspektor.

Der Bericht, der an US-Außenministerin Hillary Clinton, Verteidigungsminister Robert Gates und den US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, verschickt worden ist, zeigt dem Sonderinspektor zufolge, dass es "bestenfalls schwierig ist, sich in dem verwirrenden Labyrinth der Regierungsaufträge zurechtzufinden".

US-Gelder fließen direkt an Taliban
Erst vor wenigen Wochen waren haarsträubende Sicherheitsdefizite in Afghanistan bekannt geworden: Wie ein Bericht der "New York Times" enthüllt, lassen sich die US-Truppen, ohne es zu ahnen, häufig von privaten Sicherheitsdiensten bewachen, die von Taliban-Handlangern betrieben werden (siehe Infobox). Dementsprechend landen die Gelder, die die Truppe für ihren eigenen Schutz ausgeben, direkt in den Taschen der Terroristen oder in den Kassen regionaler Warlords.
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