Wirbel im Klinikum

Medizinischer Direktor fristlos entlassen

Kärnten
28.10.2010 16:27
Mit einem Knalleffekt hat am Donnerstag eine Aussprache zwischen dem medizinischen Direktor des Klinikums Klagenfurt, Matthias Angrés (Bild), und der Chefin der Kärntner Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft, Ines Manegold, geendet. Der Direktor wurde fristlos entlassen. Manegold begründete diesen Schritt mit einem "massiven unüberbrückbaren Vertrauensbruch" des Ärztlichen Leiters. Ob Angrés dagegen rechtliche Schritte unternehmen wird, ist noch offen.

Der 52 Jahre alte Mediziner hatte sein Amt erst am 15. Juni dieses Jahres angetreten, der Hamburger war zuvor in einem Spital in der afghanischen Hauptstadt Kabul tätig gewesen.

"Stasi-Methoden" von Manegold
Auslöser für den drastischen Schritt der Kabeg-Managerin war offenbar eine Betriebsversammlung der Spitalsärzte, die zu Mittag im Klinikum stattgefunden hatte, wie Angrés in einer Stellungnahme erklärte. "Der Vorwurf lautet, dass ich bei dieser Versammlung gesagt haben soll, Manegold würde Stasi-Methoden anwenden, das habe ich aber nicht gesagt."

Was er aber sehr wohl gesagt habe, sei, dass die Methoden und die Informationspolitik, die er in Klagenfurt vorgefunden habe, ihn an das erinnert hätten, was "ich nach der Wende in Deutschland beim Aufbau-Ost erlebt habe, und was die Menschen dort als Stasi-Methoden bezeichnet haben".

Angrés hatte sich bei der Betriebsversammlung voll hinter die Anliegen der Mediziner gestellt, die über zu wenig Personal und eine zu hohe Arbeitsbelastung geklagt hätten. "Offenbar war meine offene Art und die Geradlinigkeit, mit der ich mich für dieses Haus eingesetzt habe, nicht erwünscht."

Entlassungsschreiben am Gang überreicht
Er sei nach der Versammlung zu einem vor zwei Tagen vereinbarten Termin mit Manegold gegangen, der als "Zukunftsgespräch" bezeichnet worden sei. Dort habe die Kabeg-Chefin mit einem Anwalt auf ihn gewartet und erklärt, man müsse mit ihm über seine Vertragsauflösung reden. "Als ich erklärt habe, ich sei zu einem Vier-Augen-Gespräch geladen worden und wolle dies auch führen, hat man mich des Raumes verwiesen." Der Anwalt habe ihm dann am Gang das Entlassungsschreiben überreicht.

Angrés hatte vor vier Monaten Primarius Peter Lind abgelöst, der ein Jahr lang Medizinischer Direktor gewesen war. Linds Vorgänger Thomas Koperna war nach monatelangen spitalsinternen Turbulenzen im Juni 2009 abgelöst worden, er wechselte in die Kabeg.

Kaiser fordert Rücknahme der Entlassung
Gesundheitsreferent Peter Kaiser (SPÖ) forderte umgehend die Rücknahme der Entlassung. In einer Aussendung sagte Kaiser, das Aufzeigen von Mängeln, wie es Angrés getan habe, sei "offenbar unerwünscht".

Die Vorgangsweise von Kabeg-Chefin Ines Manegold sei nicht nachvollziehbar, auch deshalb, da sie ihn selbst nach Klagenfurt geholt habe. Kaiser: "Erst vor wenigen Wochen wurde das Engagement von Angrés ausgerechnet von Manegold und Aufsichtsratsvorsitzendem Kurt Scheuch ausdrücklich gelobt, jetzt vollzieht Manegold an ihm eine öffentliche Hinrichtung." Der ärztliche Leiter sei in den vier Monaten seiner Arbeit zu einer Integrationsfigur im Krankenhaus geworden, dass er sich mit Problemen des Hauses beschäftige, könne nicht mit einer Entlassung quittiert werden.

"Kärnten darf nicht Nordkorea werden"
Es dürfe nicht sein, dass in Kärnten engagierte Menschen in wichtigen Positionen einfach so abberufen und geschasst würden, nur weil sie manchen vermeintlichen Entscheidungsträgern nicht zu Gesicht stehen würden oder unbequem seien, kritisierte Kaiser und fügte hinzu: "Kärnten ist nicht und darf nicht zu Nordkorea werden."

Nicht in der Lage, Problem zu lösen
Aufsichtsratsvorsitzendem Kurt Scheuch bezeichnete die Aussagen Kaisers als Polemik und stellte sich hinter die Entscheidung von Manegold. "Bedauerlicherweise hat Dr. Angrés wohl Problemfelder erkannt, war aber anscheinend nicht in der Lage oder Willens diese auch zu lösen", so Scheuch.

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