"Eine Schatzkiste"

Raketeneinschlag wirbelt am Mondpol Silber auf

Wissenschaft
22.10.2010 10:47
Die Oberfläche des Mondes ist reichhaltiger als bisher gedacht. Das hat jetzt die Analyse des gezielten Einschlags der Mondsonde "LCROSS" (Bild) vom 9. Oktober 2009 gezeigt. In dem dabei aufgewirbelten Mondstaub sind die Forscher nicht nur auf das gesuchte Wasser, sondern unter anderem auch auf Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ammoniak, Stickstoff - und überraschenderweise auch auf Silber gestoßen.

Allerdings fanden sich von dem Edelmetall nur winzige Mengen - nicht genug, um hinzufliegen und es abzubauen, wie Peter Schultz von der Brown University in Providence (Rhode Island) betont. Schultz stellt nun mit mehreren Teams Analysen des Einschlags im US-Fachjournal "Science" vor.

Die "LCROSS"-Mission war vor allem darauf ausgerichtet, Wasser auf dem Mond nachzuweisen. Dazu wurde eine ausgebrannte Raketenstufe des Satelliten gezielt in den Cabeus-Krater am Südpol des Erdtrabanten geschossen, in den nie ein Sonnenstrahl scheint. Der nachfolgende Satellit analysierte die Zusammensetzung der vom Einschlag aufgewirbelten Staubwolke. Die Forscher vermuteten Wassereis am Boden des finsteren Tiefkühlkraters, das die Sonde auch nachweisen konnte.

Silber nur in winzigen Mengen vorhanden
Insgesamt schlug die "Centaur"-Raketenstufe vier bis sechs Tonnen aus dem Mondboden. Darin fanden sich etwa 155 Kilogramm Wasser, wie die Forscher in "Science" schreiben. Rund fünf Prozent des Kraterinneren besteht aus Wasser, schätzen sie auf Grundlage der Sonden-Daten. Ammoniak ist demnach etwa 15-mal seltener, Kohlendioxid 50-mal. Silber fand sich nur in winzigen Mengen.

Vermutlich seien das Edelmetall und viele der anderen gefundenen Stoffe irgendwann durch Asteroiden-Einschläge auf dem Erdtrabanten aufgewirbelt worden und hätten sich dann in dem dunklen Tiefkühlkrater angereichert, wo der Dauerfrost sie festhalte, vermutet Schultz. So hatten "Apollo"-Astronauten auch auf der erdzugewandten Seite des Mondes bereits Spuren von Gold und Silber gefunden.

"Schatzkiste voller Elemente und Verbindungen"
Die Zusammensetzung des aufgewirbelten Kraterbodens sei viel komplexer als angenommen, erläuterte Schultz. "Dieser Ort sieht aus wie eine Schatzkiste voller Elemente und Verbindungen, die überall auf dem Mond freigesetzt wurden und sich in diesem Loch im ewigen Schatten angesammelt haben."

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