26.10.2020 14:00 |

Lokalaugenschein

Wie sehr Corona der Vorarlberger Jugend zusetzt

Freunde treffen, Partys feiern, abhängen: All das ist derzeit nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Auch Jugendhäuser, wo vieles davon stattfindet, können derzeit kaum Raum dafür geben. Jugendlichen setzt das zu - und zwar deutlich stärker als viele denken.

Defne, Jana, Tamino, Laura und Bedirhan besuchen die Villa K., das Jugendhaus in Bludenz, regelmäßig. Dort treffen sie Freunde, können ihre Kreativität ausleben oder einfach abhängen. Mit der Coronakrise ist das jedoch schwieriger geworden. Während des Lockdowns im Frühjahr war das Jugendhaus komplett geschlossen - wasmit der Ampelschaltung auf „rot“ nun wieder droht.

Bislang galtenschon strenge Vorschriften: Die Einschränkungen erschwerten es den Jugendhäusern massiv, ihre Dienstleitungen zu bieten. „Wir durften bis heute dank unseres Sicherheitskonzeptes immerhin 20 Jugendliche ins Haus lassen. Die anderen mussten vor der Türe bleiben“, zeigt sich der Leiter der Villa K., Michael Lienher, der seit 20 Jahren in der Jugendarbeit tätig ist, enttäuscht.

Vor Corona kamen rund 50 Jugendliche regelmäßig in das Haus in der Jellerstraße. „Für junge Menschen sind Sozialkontakte das Um und Auf. Viele sind verunsichert, was die Zukunft bringt. Im Jugendhaus, in der Gemeinschaft, bei Freunden suchen sie Halt und Sicherheit.“ Das fehlt derzeit. Das Programm der Jugendhäuser ist ganz stark darauf ausgelegt, Eigeninitiative und Kreativitätzu fördern. Es werden gemeinsam Themen für Workshops entwickelt, Konzerte organisiert, Ausflüge werden geplant, im Proberaum der Villa K. können junge Talente ihre Musikalität ausleben und im hauseigenen Tonstudio ihre Songs aufnehmen. Zudem gibt es eine niederschwellige Beratung zu diversen Jugendthemen und Workshops zu Politik, Sexualität, Menschenrechte, Gewalt, Sucht, Medien, Mobbing und vieles mehr. Jugendhäuser leisten oftmals das, was Schule oder Eltern nicht leisten können. Wenn sie jetzt wieder geschlossen werden müssen, fallen viele dieser Angebote weg. Die Betreuer der Villa K. versuchen dann - wie schon während des Lockdowns -, die Teenager online und über mobile Jugendarbeit zu erreichen.

Keine Projekte, kein Geld

Die Jugendhäuser hadernstark mit den Corona-Einschränkungen. Die Erfüllung der Schutzbestimmungen wie Desinfektion, Einbahnsystem und Mund-Nasen-Schutz sind das kleinste Problem. „Uns fehlt die Planungssicherheit. Wir haben Projekte geplant, die nun völlig in der Schwebe sind oder schon abgesagt werden mussten. Das Problem ist, dass wir nur Förderungen von der öffentlichen Hand bekommen, wenn wir die Projekte auch umsetzen. Keine Projekte bedeutet kein Geld“, bedauert Lienher.

Jugendhäuser werden seit jeher stiefmütterlich behandelt. Und Corona verschärft das Problem noch zusätzlich, denn die Krise belastet die öffentlichen Kassen. Bund, Land und Kommunen brechen Steuereinnahmen in Rekordhöhe weg, gleichzeitig steigen die Ausgaben für Hilfspakete und Sozialleistungen. Eine massive Kürzungswelle droht. Die Träger der Jugendhäuser befürchten, dass gerade sie davon betroffen sein könnten. „Von der Stadt Bludenz habe ich schon die Ankündigung bekommen, dass die Mittel stark gekürzt werden sollen. Mit dem Begleitsatz: Die Situation ist schwierig und sie wird noch schwieriger werden.“ Einige tausend Euro seien dem Jugendhaus schon gestrichen worden.

Mitarbeiter müssen verzichten

Für nächstes Jahr müsse er das Budget noch weiter kürzen, bedauert Lienher. „Das fällt schließlich auf unser Angebot und die Mitarbeiter zurück.“ Seine Kollegen würden sichäußerst solidarisch zeigen. „Wir wollen Kündigungen auf jeden Fall verhindern. Dafür sind alle bereit, auf einige Euro zu verzichten.“Ein großes Opfer, das die Jugendarbeiter hier bringen, denn ihr Verdienst ist bekanntlich nicht der Beste.Lienher wünscht sich mehr Verständnis für die Arbeit der Jugendhäuser. „Wir leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und vor allem für die Jugend. Ich hoffe inständig, dass die jungen Menschen in dem ganzen Dilemma nicht vergessen werden und für die Krise büßen müssen!“

P. Vondrak

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