Strategische Genies

Frauen haben mehr Gespür fürs Geld

Wirtschaft
20.09.2004 16:22
Frauen shoppen ohne Ende und hatten als Mädchen statt Mathe-Unterricht die Masern. Klischees über die in Finanzdingen angeblich ahnungslosen Frauen halten sich hartnäckig. Dabei sind sie heute zunehmend diejenigen, die zu Hause die Geldangelegenheiten regeln. Und die Familienmanagerinnen sind oft die besseren Strategen, beobachten Experten. Auch bei der privaten Altersvorsorge haben Frauen nach einer Umfrage für die Zeitschrift "Brigitte" aufgeholt.
Ehemann und Staat haben als Anker fürsAlter für viele ausgedient: Fast jede zweite Frau verlässtsich nicht mehr allein auf die gesetzliche Rente und hat zusätzlichvorgesorgt, ergab die repräsentative Studie des Emnid-Institutsim Auftrag der Zeitschrift. Demnach investieren heute drei Malso viele Frauen in ihre Zukunft wie noch vor zwölf Jahren.In 42 Prozent der Familien verwalten sie inzwischen auch das gemeinsameGeld - und nur noch elf Prozent verlassen sich in finanziellenDingen ganz auf ihren Mann oder Partner. 
 
Wachsende Unsicherheit
Gleichzeitig steigt aber die Unsicherheit. Mehr alsjede dritte Frau weiß laut Studie nicht genau, wie vielsie im Alter zur Verfügung haben wird. "Nachdem ich einenhalben Tag mit meinem Anlageberater gesprochen hatte, konnte ichdie ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Tag habe ichalles rückgängig gemacht", sagt eine Hamburger Bankkundin.Auch andere potenzielle Anlegerinnen berichten über ein "mulmigesGefühl und die Angst, über den Tisch gezogen wordenzu sein". 
 
Frauen sind vorsichtiger
"Dass Frauen vorsichtiger agieren, liegt an der geschichtlichenErfahrung", erläutert Buchautorin und Psychotherapeutin UllaSebastian. "Noch bis vor wenigen Jahrzehnten durften Frauen nichtarbeiten und ihr eigenes Geld verwalten. Geld war schon immereine Männerdomäne. Viele reagieren aggressiv, wenn mansie ihnen streitig macht." Nach Eifersucht sei Geld das Thema,über das am meisten gestritten werde. 
 
Heilige Familienkasse
"Frauen sind nicht nur an der Börse oft erfolgreicherals Männer, sie sind auch ausgezeichnete Kassenwarte", sagtdie Wiesbadener Finanz-Trainerin Monika Müller. "Sie haltendas Geld zusammen, verzichten eher lieber aufs neue Kleid, alsder Familienkasse Geld zu entziehen." Das sei oft auch der Grundfür mangelnde Vorsorge, denn die persönlichen Ausgabengehen meist zu Lasten des gemeinsamen Haushaltskontos. Expertinnenraten daher zu mehreren Konten. 
 
Frauen bevorzugen Frauen als Beraterinnen
Zudem lassen sich viele Frauen in Finanzdingen liebervon Frauen beraten. Sie finden, dass männliche Berater sichmit ihrem Fachchinesisch oft gern als Macho aufspielen, zeigteeine Umfrage von Delta Lloyd. Immerhin vertrauen sich 15 Prozentlieber einem Makler an. Der wichtigste Grund laut Versicherer:"Der 'Funfaktor' ist größer, denn: Frauen flirten gernmit ihrem Versicherungsmakler". 
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