Protest in München

Kilometerlange Menschenkette gegen Schrott-AKW

Ausland
09.10.2010 17:58
Mehrere Zehntausend Menschen haben am Samstag in München gegen die Atompolitik der bürgerlichen deutschen Bundesregierung protestiert. Höhepunkt der Demonstration gegen verlängerte Laufzeiten der Atomkraftwerke war eine rund zehn Kilometer lange Menschenkette durch die Münchner Innenstadt. Daran nahmen nach Angaben der Organisatoren knapp 50.000 Menschen teil, die Polizei sprach hingegen nur von rund 25.000.

"Das ist ein Riesenerfolg für uns. Es ist das angekündigte und erwartete Erdbeben", sagte Marcus Greineder, Cheforganisator des Bündnisses "KettenreAktion Bayern". Aus Berlin erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel zu der Münchner Protestaktion: "Das zeigt einmal mehr, dass die Bevölkerung die Lobbypolitik der Bundesregierung für die vier Atomkonzerne nicht einfach hinnimmt." Union und FDP hatten den zehn Jahre alten Atomausstieg von Rot-Grün im September aufgekündigt. Deshalb soll der letzte Atommeiler nun nicht vor dem Jahr 2036 vom Netz gehen.

An dem Protest nahm auch der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober (Grüne) teil. Einer Aussendung zufolge forderte er in einer Rede einen Verzicht auf die Laufzeitverlängerung für deutsche AKW: "Sicherheitsinteressen müssen wichtiger sein als Gewinninteressen". Anschober zufolge beteiligten sich "Hunderte" Personen aus Österreich an der Münchner Demo.

Schrott-Reaktor steht nahe Österreich
Von der geplanten Laufzeit-Verlängerung sind auch fünf bayerische Atomkraftwerke betroffen - darunter der besonders umstrittene Meiler Isar 1, der bereits seit 1977 am Netz ist. In einer am Freitag vorgestellten Studie stellte der Wiener Risikowissenschaftler Wolfgang Kromp dem AKW Isar 1 ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Studie wurde von der oberösterreichischen und der niederösterreichischen Landesregierung sowie der Umweltanwaltschaft Wien in Auftrag gegeben.

Zu der Demonstration in München hatte ein breites Bündnis aus mehreren Parteien und Bürgerinitiativen aufgerufen. Das Bündnis fordert eine Wende weg von der Kernkraft und hin zu erneuerbaren Energien. Es handelte sich um die größte Anti-Atom-Demonstration seit der Kundgebung gegen die - später nicht gebaute - atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf im Jahr 1985. Damals hatten zwischen 30.000 und 50.000 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt gegen die Nutzung der Atomenergie protestiert.

In Wien-Landstraße beteiligten sich unterdessen am Vormittag nach Angaben der Polizei nur zwölf Personen an einer einstündigen Kundgebung der Wiener Plattform Atomkraftfreie Zukunft unter dem Motto "Keine Laufzeitverlängerung der deutschen AKW!". Die Kundgebung vor der deutschen Botschaft sei "sehr, sehr ruhig" verlaufen, hieß es.

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