Steigende Zahlen

Krebs wird weltweit Todesursache Nummer eins

Wissenschaft
08.10.2010 13:04
"Krebs wird in diesem Jahr die Herz-Kreislauf-Leiden als 'Killer Nummer 1' ablösen. Die Gesundheitsbelastung durch Krebs hat sich in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt", warnte am Freitag beim Europäischen Krebskongress in Mailand der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), David Kerr. Durch die generell steigende Lebenserwartung werden immer mehr Fälle diagnostiziert.

Die Welt sieht sich mit einer ständig wachsenden Zahl an Krebskranken und Todesfällen durch bösartige Tumorerkrankungen konfrontiert. Hauptgrund dafür ist die generell steigende Lebenserwartung, aber auch äußere Einflüsse wie etwa die Belastung durch Strahlung oder Chemikalien. Davor rangiert allerdings noch Tabakkonsum und ungesunde Ernährung aus Auslöser für Krebserkrankungen.

Krebs Todesursache Nummer eins
Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2008 wurden weltweit rund 12,7 Millionen Krebserkrankungen neu diagnostiziert. Es gab 7,6 Millionen Todesfälle durch diese Leiden. Damit werden Krebserkrankungen weltweit die Todesursache Nummer eins sein. Bislang waren das Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auf der anderen Seite leben immer mehr Menschen mit Krebserkrankungen: Derzeit sind es weltweit rund 25 Millionen Patienten, was auf die deutliche Verbesserung der Krebsmedizin zurückzuführen ist.

David Kerr, Onkologe aus Oxford in Großbritannien bei der Eröffnungspressekonferenz der ESMO-Jahrestagung mit rund 15.000 Teilnehmern und mehr als 1.100 wissenschaftlichen Beiträgen: "Das Wort 'Krebs' hatte immer einen ziemlich furchterregenden Beigeschmack, aber das sollte vorbei sein. Wir Onkologen arbeiten hart daran, die Therapien den jeweils richtigen Patienten, zur rechten Zeit und in der richtigen Dosis zukommen zu lassen. Bei der Entwicklung von individuellen und für den Einzelnen wirkungsvollsten Therapien sind wir auch ein Beispiel für andere Medizinbereiche, zum Beispiel die Diabetiker-Behandlung."

Experten warnen vor "Hype" um Studienergebnisse
In Mailand wurden insbesondere wichtige Studienergebnisse auf dem Gebiet von Brust-, Eierstock-, Prostata- und Lungenkrebs erwartet. Einen "Hype" um manche Ergebnisse sollte man vermeiden, betonte der britische Experte: "Wir sollten das Wort 'Durchbruch' nicht verwenden. Das ist nur selten gerechtfertigt. Wir machen 'Schritte nach vorwärts', Studienergebnisse können unsere tägliche Praxis verändern."

Bei immer mehr Krebspatienten wird durch die immer längeren Überlebens- und somit auch Behandlungszeiten auch die Frage der Finanzierung der Therapien in der Onkologie immer wichtiger. Kerr: "Obwohl wir in einer Zeit von engen Budgetmitteln leben, sollten wir wirksame Therapien in die Gesellschaft bringen." Jedes Land aber habe hier seine Limits selbst zu bestimmen.

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