"Krone": Was bedeutet der 10. Oktober für Sie?
Werner Faymann: Natürlich ist eine Volksabstimmung, die darüber entscheidet, ob Teile Kärntens und damit eines der Bundesländer zu Österreich gehören, emotional etwas Besonderes. Ich finde es richtig, dass man so einen Feiertag begeht.
"Krone": Die Volksabstimmung war ein einzigartiges Ereignis. In Kärnten hat man oft den Eindruck, dass dies zu wenig gewürdigt wird.
Faymann: In der Bevölkerung gibt es zwischen Kärnten und den anderen Bundesländern nicht so viele Missverständnisse und Unterschiede. In der Politik natürlich immer wieder. Derzeit sind es vor allem zwei Diskussionen: die Ortstafelfrage und die Verschuldung der Hypo. Wir mussten die Bank übernehmen, ohne den Österreichern sagen zu können, wie viele Steuermittel das kosten wird, die wir viel dringender für Schulen, Pflege und andere Dinge brauchen. Da kann schon Ärger aufgekommen, aber nicht auf die Kärntner, sondern auf die dafür verantwortlichen Kärntner Politiker.
"Krone": Trotzdem: Kärnten hat oft den Eindruck, es sei das Stiefkind der Nation.
Faymann: Wirklich? Ich mag Kärnten sehr und ich habe eher den Eindruck, dass es ein Herzstück Österreichs ist.
"Krone": Manche Kärntner empfinden das nicht so.
Faymann: Dann muss ich etwas tun. Dann komme ich nicht nur am Landesfeiertag, sondern öfter und sage: Ich bin stolz auf Kärnten! Der Respekt vor den Bundesländern spielt eine große Rolle. Ein Grund, warum bei der Verwaltungsreform nichts weiter geht, ist, dass Respekt manchmal ein bissl mehr kostet. Aber mir ist lieber ein Föderalismus, der die Verwaltungsreform erschwert, als ein totaler Zentralismus.
"Krone": In der Ortstafelfrage sind jedoch Sie zuständig.
Faymann: Ja. Aber ich habe vom ersten Tag an gesagt: Das mache ich nicht gegen Kärnten. Ich will nicht, dass die Menschen das Gefühl haben, man fährt über sie drüber.
"Krone": Jetzt scheint plötzlich eine Lösung möglich.
Faymann: Aus meiner Sicht ist diese Frage in geordneten Bahnen. Ich weiß auch von Landeshauptmann Dörfler und den Verantwortlichen des Landes, dass sie an dieser Lösung mitwirken.
"Krone": Welche Rolle spielt dabei der neue Ratsobmann Valentin Inzko?
Faymann: Mit seiner politischen Erfahrung, mit seinem Verhandlungsgeschick ist er natürlich eine Riesenbereicherung. Aber ich muss sagen, gerade in der Ortstafelfrage erlebe ich die Kärntner politischen Verantwortlichen so, dass sie eine Lösung wollen.
"Krone": Einwände kommen von FPK-Chef Scheuch. Und auch SPÖ-Bürgermeister betroffener Gemeinden haben keine reine Freude.
Faymann: Die Kärntner SPÖ sagt mir, dass dies lösbar ist und das glaube ich auch. Bei Scheuch hoffe ich, dass die Vernunft siegt.
"Krone": Aus Slowenien kommen immer wieder Sticheleien. Etwa, dass Kärnten Slowenien weggenommen worden sei. Oder der Anspruch, als Signatarmacht nach Jugoslawien in den Staatsvertrag einzusteigen. Warum kommen da keine klaren Worte aus Wien?
Faymann: Ich habe bei einer Auslandsreise in Slowenien ganz deutlich gemacht, wir lassen uns weder sagen, wohin Kärnten gehört, noch lassen wir uns Ratschläge erteilen, wie wir die Ortstafelfrage lösen sollen. Aber das findet nicht auf einem Aggressionsniveau mit Gehässigkeiten oder gar Auseinandersetzungen statt, sondern es sind unterschiedliche Meinungen in geordnetem Rahmen.
von Waltraud Dengel, "Kärntner Krone"










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