Dabei stürzte die sie jedoch ab und landete mit Wirbelverletzungen im Spital. Dort wurde das Personal auf die verwahrlost wirkende, mit Blutergüssen übersäte Frau aufmerksam. Man zog eine Dolmetscherin bei, der die 68-Jährige eine unglaubliche Geschichte erzählte: Ihr Sohn habe sie entführt, eingesperrt und unter anderem mit einem Elektroschocker misshandelt, um sie dazu zu bringen, ihm ihr Vermögen zu überlassen.
Angeklagter: "Mutter ist sehr falsch"
Der Angeklagte - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - bekannte sich "nicht schuldig" und behauptete, die Frau habe ihn freiwillig begleitet, ihre Erzählungen wären Lügen: "Die Mutter ist sehr falsch, muss ich sagen. Lügen tut sie wie gedruckt. Das war schon immer so."
Laut Anklage hatte der 28-Jährige am 26. Dezember 2008 seine Adoptivmutter abgepasst, als diese nachts in Floridsdorf mit ihrem Hund Gassi ging. Er zwang sie demnach, in seinen Pkw zu steigen und soll dann mit ihr bis an die bulgarisch-türkische Grenze gefahren sein, wo sie per Bus bis nach Istanbul weiterreisten. Dort bestiegen die beiden einen Flieger nach Kairo, wo die 68-Jährige der Anklage zufolge monatelang in einem nahezu leeren Raum, in dem es nur eine dreckige Matratze gab, eingesperrt, misshandelt und unter Druck gesetzt wurde. Der Staatsanwältin zufolge brachte der Sohn seine Mutter mit physischer und psychischer Gewalt zunächst dazu, dass sie ihre Aktien verkaufte und ihm den Erlös überließ. Er soll auch das Pensionskonto der Frau geplündert und sie schließlich gezwungen haben, zu seinen Gunsten Schenkungsverträge über zwei Grundstücke zu unterschreiben. Im Anschluss übersiedelte der mutmaßliche Entführer mit seinem Opfer nach Hurghada.
Mann flüchtet nach Befreiung der Mutter
Nachdem der Frau im Oktober 2009 die Flucht gelungen war, setzte sich der 28-Jährige mit seiner Lebensgefährtin nach Thailand ab, wo er von Zielfahndern des Bundeskriminalamts aufgespürt werden konnte. Nun legte ihm Staatsanwältin Sonja Riener unter anderem Freiheitsentziehung, schwere Erpressung, schwere Nötigung und Körperverletzung zur Last.
Der Angeklagte schilderte die angeblich zehnmonatige Gefangenschaft der 68-Jährigen, die ihn als Säugling adoptiert hatte, als ausgedehnten Geschäftsaufenthalt seinerseits, an dem die Frau aus freien Stücken teilgenommen habe. Er habe in Ägypten eine Bäckerei übernehmen wollen, sie habe ihm dafür 150.000 Euro überlassen und deswegen ihre Liegenschaften geschenkt. Ihre Ersparnisse und ihre Pension habe er ihr nicht abgenötigt, sondern "einfach so" bekommen. Die 68-Jährige sei auch nicht nach einem spektakulären Fluchtversuch im Spital gelandet: "Sie hat Fenster geputzt und ist aus dem Fenster rausgefallen."
Die Verhandlung wird am 12. November mit der Einvernahme der 68-Jährigen fortgesetzt.









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