In der Umfrage bestätigt sich, dass die SPÖ im letzten Jahr politisch viel Boden gutgemacht hat. Von 47 bis 49 Prozent wie jetzt der Fall konnte man vor einem Jahr nur träumen, im April 2009 kam die Wiener SP gar nur auf 41 bis 43 Prozent. Das war der absolute Umfrage-Tiefpunkt.
Alles ist möglich
Dennoch sollten die Wiener Genossen nicht in verfrühten Jubel ausbrechen. Ganz aktuell hat IMAS nämlich herausgefunden, dass 35 Prozent der Wahlberechtigten in der Bundeshauptstadt noch nicht wissen, wem sie am 10. Oktober die Stimme geben sollen – jeder dritte Wähler ist demnach für die wahlwerbenden Parteien noch zu haben. Das wiederum heißt im Klartext: Die Verteidigung der absoluten Mandatsmehrheit (derzeit 55 von insgesamt 100 Mandaten) ist für die SPÖ noch lange keine ausgemachte Sache. Bis Wahlschluss Sonntag, den 10. Oktober, um 17 Uhr ist damit wie im Lotto "noch alles möglich."
Kampf um die Jungwähler
Das gilt speziell für Wähler unter 30 Jahren. In dieser Altersgruppe wissen fast 50 Prozent noch nicht, wem sie ihre Stimme geben sollen. Die letzte Woche Wahlkampf steht für die Parteien also unter der Devise "Schlacht um die Jugend".
Anstrengen wird sich vor allem die Strache-FPÖ müssen. Sie liegt in der IMAS-Umfrage bei 19 bis 21 Prozent, was einen Zugewinn von rund fünf Prozent gegenüber der Wahl 2005 bedeuten würde, doch die Blauen waren in Wien schon einmal weit besser. Fazit: Im Match Häupl gegen Strache liegt der Bürgermeister vorerst klar voran, doch wer weiß, welche Kräfte der blaue Herausforderer gegenüber dem roten Titelverteidiger noch mobilisieren kann?
Kränkelnde Opposition
Angesichts dieses "Gigantenduells" erwartungsgemäß schwach bis politisch kränkelnd die beiden anderen Oppositionsparteien ÖVP und Grüne, über das BZÖ kann man getrost den Mantel des Schweigens hüllen. Laut aktueller IMAS-Umfrage käme die ÖVP auf nur noch 15 bis 17 Prozent – ein leichter Verlust gegenüber der Wahl 2005 zeichnet sich damit ab. Die Grünen rangieren mit 12 bis 14 Prozent knapp dahinter, was in der Endabrechnung gegenüber der letzten Wahl ebenfalls ein Minus ergeben würde. Hauptproblem von ÖVP und Grünen: Die beiden Spitzenkandidatinnen Marek und Vassilakou kommen – laut IMAS-Test – nicht einmal bei den eigenen Anhängern besonders gut an.
Jeder Zweite für Verschärfung der Asylgesetze
Und was geht den Wienern an politischen Themen besonders unter die Haut? Laut IMAS ist es die Problematik des Zusammenlebens mit Ausländern und da speziell mit jenen aus Osteuropa und der Türkei. Wichtig danach auch Fragen des Schulsystems, des Arbeitsplatzes und natürlich die Verbrechensbekämpfung. Bestes Beispiel dafür, wie sehr die Wiener glauben, unter zu viel Zuwanderung "leiden" zu müssen: Jeder zweite Bewohner der Bundeshauptstadt spricht sich dafür aus, die Asylgesetze zu verschärfen.
TV-Duelle als letzte Entscheidungshilfe
Wichtig für den Ausgang der Wiener Gemeinderatswahl am Sonntag in einer Woche natürlich auch diverse TV-Duelle der Spitzenkandidaten wie etwa das am Samstag in ORF 2 um 11.05 Uhr. Dass solche Duelle schon Wahlen entschieden haben, ist spätestens seit Jörg Haiders gefürchteten "Taferl-Auftritten" bekannt – so mancher Polit-Gegner wurde dabei in die Enge getrieben.
FPÖ nimmt Roten Wähler weg
Apropos Sieg und Niederlage bei Wahlen: Die SPÖ hat schon lange kein Erfolgserlebnis mehr, sie konnte zwar Platz 1 in den Bundesländern Salzburg, Burgenland und der Steiermark halten, aber auch da stand vor dem Wahlergebnis ein Minus. Der Grund dafür: Unter Schwarz-Blau schnitt die SPÖ als Opposition bei Wahlen stets recht gut ab. Nunmehr ist die FPÖ wieder erstarkt und nimmt den Roten Wähler weg. Ergebnis der IMAS-Exklusiv-Umfrage für die bevorstehende Wiener Wahl am 10. Oktober. Zum Vergleich das Wahlergebnis 2005: SPÖ 49,1 Prozent; ÖVP 18,8 Prozent; FPÖ 14,8 Prozent; Grüne 14,6 Prozent; BZÖ 1,2 Prozent.
von Peter Gnam, Kronen Zeitung









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