01.09.2020 09:17 |

„Knesset-Miezen“

30 Katzen erhalten parlamentarische Immunität

Das Leben hat Luxus parat für etwa 30 Jerusalemer Straßenkatzen, die sich im Hinterhof von Israels Parlament häuslich eingerichtet haben. Beamte haben die Katzen nun offiziell adoptiert und bieten ihnen parlamentarische Immunität. Filibuster, Lobby, Revision und Ethik sind nicht nur politische Begriffe, sondern auch die Namen einiger Miezen mit offizieller Aufenthaltsgenehmigung in der Knesset.

Knesset-Direktor Sami Baklash bat die Umweltchefin des Parlaments, Tamar Bar-On, einen umfassenden und geordneten Adoptionsplan für die Katzen zu formulieren, weil sie „ein wichtiges Glied im ökologischen Gleichgewicht der Einrichtung“ seien. Später wurden die Veterinärdienste der Stadt hinzugezogen, um den Katzen Spritzen, Kastrationen und andere medizinische Dienstleistungen zukommen zu lassen.

Umweltchefin: „Teil des Knesset-Ökosystems“
Ein spezieller Bereich auf dem Gelände ist für die Katzen vorgesehen, wo nur Trockenfutter auf dem Speiseplan steht. „In der Anfangsphase wird die Knesset die Katzen in tierärztliche Behandlung überführen, was die Kastration, die Markierung jeder Katze im Ohr, die Impfung gegen Tollwut und gegebenenfalls die medizinische Behandlung einschließt“, sagte Bar-On. „Diese Katzen sind ein wichtiger Teil des Knesset-Ökosystems“, sagte Baklash. „Es ist unsere Pflicht, diesen Teil der städtischen Natur zu erhalten.“

Die Vorsitzende des Umweltausschusses der Knesset, Miki Haimovich, lobte die Politik des Direktors. „Ich hatte das Vergnügen, einige Bewohner des Knesset-Geländes kennenzulernen, und war froh zu sehen, dass sie gut versorgt wurden. Als Tierliebhaber unterstütze ich die Politik des Direktors und hoffe, dass wir anderen öffentlichen Einrichtungen als Vorbild dienen können.“

Tatsächlich ist Jerusalem von einer Katzenplage betroffen. Die Straßen der Hauptstadt werden von schätzungsweise 240.000 Raubkatzen überrannt, aber es fehlt die Finanzierung und der politische Wille, das Problem zu lösen. Derweil sind die meisten offenen Müllcontainer ersetzt worden durch unterirdische Anlagen, die für Katzen nicht zugänglich sind.

Bürgermeister forderte Futterstellen für Katzen
Die Konzentration streunender Katzen in der Heiligen Stadt gehört nach Ansicht von Experten zu den höchsten im Nahen Osten oder sogar weltweit. „Letztendlich sind unterirdische Mülltonnen, die die Verfügbarkeit von Katzenfutter reduzieren, die einzige Lösung, um die Größe der Population zu kontrollieren“, sagte Amir Balaban von der Gesellschaft für Naturschutz in Israel. Aber nicht alle unterstützen die Idee des Nahrungsmangels. Bürgermeister Moshe Leon empfahl sogar, für die Katzen Futterstellen einzurichten. Er budgetierte dafür 100.000 Schekel (rund 25.000 Euro) pro Jahr. Doch diese Idee wurde schnell wieder verworfen, da sie unerwünschte Wildtiere anlockte, darunter Schakale, Füchse und sogar Wildschweine.

Kastration verstößt für orthodoxe Juden gegen Religionsgesetz
2015 weigerte sich der damalige Landwirtschaftsminister Uri Ariel, rund 4,5 Millionen Dollar (rund 3,8 Millionen Euro) Regierungsgelder für die Sterilisierung streunender Katzen zur Verfügung zu stellen. Als orthodoxer Jude hatte der Minister gesagt, dass die Kastration von Katzen gegen das jüdische Religionsgesetz verstoße. Er schlug stattdessen vor, streunende Katzen und Hunde in andere Länder zu deportieren. Doch auch diese Idee erwies sich als undurchführbar, mangels Ländern mit der Bereitschaft, Tausende israelische Katzen und Hunde aufzunehmen ...

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