Schwache Show

R&B Shooting-Star Kelis spielte in Wien auf

Musik
13.09.2004 09:26
Die erst 21-jährige R’n’B-Sängerin Kelis beehrte das Wiener Gasometer und überzeugte die Fans mit ihrer Stimmgewalt. Trotz allem hinterließ der Abend einen fahlen Nachgeschmack und die Show konnte nicht recht überzeugen.
kmm
Pünktlich um 20.00 Uhr, ausgestattet mit etlichen Werbemitteln, die freundliche Damen am Eingang des Gasometers verteilten, ging es vor die Bühne, um gleich darauf festzustellen, dass sich nur sehr wenige Fans in die Konzerthalle verirrt hatten. Gähnende Leere herrschte - wäre das Gasometer nur halb so groß, es hätten immer noch alle ausreichend Platz gehabt. Dann begann das Warten - spätestens jetzt konnte man auf die ausgeteilten Gummibärchen und Schlecker zurückgreifen. Kurz vor neun Uhr betrat eine Vorgruppe die Bühne und versuchte das wenige Publikum anzuheizen - das gelang den 3 Schnulzen-Barden auch, allerdings nicht wie beabsichtigt. Billige, ordinäre Texte wie "Du gehst mir auf den Sack", Du bist der letzte Dreck für mich" oder - zweifelsohne der Höhepunkt der Niveaulosigkeit - "Fick dich, du Schlampe", eine Coverversion von Eamons "Fuck it", wusste das Wiener Publikum nicht zu begeistern. Mit Buh-Rufen begleitet verließen die Möchtegern-Sänger nach einer Viertelstunde wieder die Bühne.
  
Kelis kam - nach 2 Stunden Wartezeit
Dann erneutes Warten - diesmal jedoch eine ganze Stunde lang. Sich ewig hinziehende Soundchecks verbreiteten nicht gerade Stimmung und die Gummibärchen waren schließlich auch schon gegessen. Kurz vor 10 bemühte sich Kelis' DJ die Fans auf die ultimative Party vorzubereiten. Das alte "Wave your Hands"-Spiel und die ständige Frage "Are you ready to party?" machten Hoffnung auf mehr und die treuen Fans fingen an aufzutauen. Um 22.00 war es dann, nach zwei Stunden Beine in den Bauch stehen, endlich so weit: Kelis betrat züchtig gekleidet und mit Mascherl im Haar die Bühne. Während der ersten drei Songs rockte sie gemeinsam mit Band den Gasometer. Musikalisch erinnerte das schon eher an eine hartrockende Crossover-Band. Kelis Stimme ging dabei auch ein wenig in den schmetternden Gitarren-Sounds unter. Erst als es ruhiger wurde, Kelis sich hinsetzte und gefühlvollen Soul zum Besten gab, war das Stimmpotential des Wuschelkopfs erkennbar. Und es wurde eines deutlich: Kelis lässt sich wahrlich nicht einfach nur in die Kategorie R'n'B pressen, zu viele Einflüsse vermischen sich bei ihr zu einem interessanten Sound. Kurz vor 23.00 dann das jähe Ende des Abends. Nach nur einer Stunde verabschiedete sich Kelis mit ihren Hitsingles "Trick Me" und "Milkshake" und hinterließ den Eindruck eines lieblos heruntergespielten Konzertes. Angesichts der langen Wartezeiten, der schlechten Vorband und der hohen Eintrittspreise hätte der Fan sicherlich mehr verdient.
 
Alle Fotos: Andreas Graf/Krone.at
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