Die erst 21-jährige R’n’B-Sängerin Kelis beehrte das Wiener Gasometer und überzeugte die Fans mit ihrer Stimmgewalt. Trotz allem hinterließ der Abend einen fahlen Nachgeschmack und die Show konnte nicht recht überzeugen.
Pünktlich um 20.00 Uhr, ausgestattet mit
etlichen Werbemitteln, die freundliche Damen am Eingang des Gasometers
verteilten, ging es vor die Bühne, um gleich darauf festzustellen,
dass sich nur sehr wenige Fans in die Konzerthalle verirrt hatten.
Gähnende Leere herrschte - wäre das Gasometer nur halb
so groß, es hätten immer noch alle ausreichend Platz
gehabt. Dann begann das Warten - spätestens jetzt konnte
man auf die ausgeteilten Gummibärchen und Schlecker zurückgreifen.
Kurz vor neun Uhr betrat eine Vorgruppe die Bühne und versuchte
das wenige Publikum anzuheizen - das gelang den 3 Schnulzen-Barden
auch, allerdings nicht wie beabsichtigt. Billige, ordinäre
Texte wie "Du gehst mir auf den Sack", Du bist der letzte Dreck
für mich" oder - zweifelsohne der Höhepunkt der Niveaulosigkeit
- "Fick dich, du Schlampe", eine Coverversion von Eamons "Fuck
it", wusste das Wiener Publikum nicht zu begeistern. Mit Buh-Rufen
begleitet verließen die Möchtegern-Sänger nach
einer Viertelstunde wieder die Bühne.
Kelis kam - nach 2 Stunden Wartezeit
Dann erneutes Warten - diesmal jedoch eine ganze
Stunde lang. Sich ewig hinziehende Soundchecks verbreiteten nicht
gerade Stimmung und die Gummibärchen waren schließlich
auch schon gegessen. Kurz vor 10 bemühte sich Kelis' DJ die
Fans auf die ultimative Party vorzubereiten. Das alte "Wave your
Hands"-Spiel und die ständige Frage "Are you ready to party?"
machten Hoffnung auf mehr und die treuen Fans fingen an aufzutauen.
Um 22.00 war es dann, nach zwei Stunden Beine in den Bauch stehen,
endlich so weit: Kelis betrat züchtig gekleidet und mit Mascherl
im Haar die Bühne. Während der ersten drei Songs rockte
sie gemeinsam mit Band den Gasometer. Musikalisch erinnerte das
schon eher an eine hartrockende Crossover-Band. Kelis Stimme ging
dabei auch ein wenig in den schmetternden Gitarren-Sounds unter.
Erst als es ruhiger wurde, Kelis sich hinsetzte und gefühlvollen
Soul zum Besten gab, war das Stimmpotential des Wuschelkopfs erkennbar.
Und es wurde eines deutlich: Kelis lässt sich wahrlich nicht
einfach nur in die Kategorie R'n'B pressen, zu viele Einflüsse
vermischen sich bei ihr zu einem interessanten Sound. Kurz vor
23.00 dann das jähe Ende des Abends. Nach nur einer Stunde
verabschiedete sich Kelis mit ihren Hitsingles "Trick Me" und
"Milkshake" und hinterließ den Eindruck eines lieblos heruntergespielten
Konzertes. Angesichts der langen Wartezeiten, der schlechten Vorband
und der hohen Eintrittspreise hätte der Fan sicherlich mehr
verdient.
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