5.000 feierten mit

Tirolerin Anna Stöhr klettert in Innsbruck zur EM-Goldenen

Tirol
19.09.2010 09:57
Der Medaillenregen für Österreichs Sportkletterer ist auch am letzten Tag der Heim-Europameisterschaften in Tirol prolongiert worden. Anna Stöhr holte sich mit einer herausragenden Leistung vor 5.000 frenetischen Fans am Innsbrucker Marktplatz die Goldmedaille vor der Deutschen Juliane Wurm und Olga Schalagina aus der Ukraine. Für ihren Lebensgefährten Kilian Fischhuber gab es die Bronze-Medaille hinter dem neuen Europameister Cedric Lachat aus der Schweiz und dem Tschechen Adam Ondra.

"Die Gänsehaut ist immer noch da, es war der absolute Wahnsinn", gestand Stöhr noch lange nach ihrem famosen Wettkampf. Schon am Nachmittag in der Qualifikation überzeugte die Weltmeisterin von 2007, indem sie das Halbfinale klar für sich entschied und alle Boulder "flash" nahm, also im ersten Versuch.

Auch im Finale ging die 26-jährige Rumerin schnell in Führung, als sie die ersten beiden Boulder auf Anhieb durchstieg. Erst beim dritten Boulder brauchte sie drei Versuche. Als Stöhr, die heuer im Bouldern Zweite im Gesamtweltcup wurde, zum finalen Boulder antrat, bei dem sie nur den "Zonenpunkt" erreichte, stand sie bereits als neue Europameisterin fest. "Schade ich wollte auch dort noch top gehen", ärgerte sich Stöhr ganz kurz.

Danach sprudelte es aus der Sportstudentin nur so heraus. "In der Qualifikation am Donnerstag bin ich noch nervös gewesen. Aber am Samstag habe ich das Klettern nur genossen", erzählte Stöhr, deren strahlendes Lachen am Samstag nicht versiegen wollte. "Im Finale habe ich gar nicht mit einer Medaille gerechnet, sondern nur einen Riesenspaß gehabt. Das Publikum war der totale Wahnsinn. Diese Heim-EM ist sicher ein Meilenstein in meiner Karriere." Und Stöhr wusste auch, was sie nach der Siegerehrung machen wollte: "Einfach nur noch Party feiern und Gas geben und Gas geben!"

Gold, Silber und Bronze am Freitag

Großer Jubel hatte im österreichischen Team bereits am vorletzten Tag bei den Vorstiegbewerben geherrscht: Durch Angela Eiter und Johanna Ernst gab es bei den Damen am Freitag einen Doppelsieg. Den Supertag komplettierte der Innsbrucker Jakob Schubert mit Bronze.

Die 24-jährige Lokalmatadorin Angela Eiter, die nur vier Kilometer von Imst entfernt in Arzl wohnt, dominierte diese Europameisterschaften. Sie kletterte nicht nur in der Qualifikation zweimal top, sondern auch im Halbfinale. Im Finale zeigte Eiter kaum Schwächen, durchquerte alle schwierige Stellen. Am vorletzten Griff vor der Spitze rutschte Eiter zwar aus, doch Gold war ihr da schon lange sicher.

Eiter selbst realisierte ihre Leistung vor 3.000 begeisternden Zuschauer, die sie frenetisch in die Höhe trieben, als sie am Seil baumelnd zurück von zwanzig Metern Höhe zurück auf den Boden kam. Lächelnd und stolz verneigte sich der kleine blonde "Floh" vor ihren Fans. "Einfach unglaublich! Das ist der letzte Titel, der mir in meiner Sammlung noch gefehlt hat", stammelte die Ex-Weltmeisterin nach dem Sieg.

EM-Silber für Shooting-Star aus Österreich

Auch ihre Teamkollegin Ernst strahlte und gratulierte Angela locker, immerhin gab es für den 17-jährigen Shooting-Star EM-Silber, nachdem sie bei den Weltmeisterschaften im Vorjahr und bei den EM-Titelkämpfen 2008 Gold geholt hatte. Dabei hatte Ernst, die nach einer schweren Sprunggelenksverletzung drei Monate kaum trainieren hatte können, zu Beginn ihrer Route große Schwierigkeiten. 

"Die Griffe waren mir zu weit", bekannte Ernst, die in der letzten von den acht Minuten ihren Turbo zündete, und wie eine Speed-Kletterin durch die überhängende Wand raste. "Ich bin nur noch glücklich", sagte Ernst. Den österreichischen Erfolg komplettierte Barbara Bacher als Achte, die damit wichtige Punkte für die Kombinationswertung machte.

Bronze für Juniorenweltmeister Schubert

Zuvor schon hatte Juniorenweltmeister Schubert für die erste Medaille für Rot-weiß-rot gesorgt. "Es war einfach unglaublich geil", sagte der 20-jährige Tiroler, nachdem er am fünftletzten Griff im Vorstieg ausgerutscht war. Dabei pushte Schubert knapp vor seinem Ausscheiden noch das Publikum, das seine Show im strömenden Regen mit Applaus bedachte. 

Dass es nicht zu höherem Edelmetall gereicht hatte, ließ den dreifachen Nachwuchsweltmeister kalt, er jubelte über Bronze: "Meine erste Medaille bei den 'Erwachsenen' - das ist toll, einfach nur cool. Ich war auch überhaupt nicht nervös." Wobei Schubert auch sagte, er habe profitiert, dass er als Zweiter (Siebenter nach dem Halbfinale) an den Start ging: "Ich konnte vorlegen, die anderen mussten sich an mir orientieren."

Gemischte Gefühle bei David Lama

Mit "Blech" musste sich Ex-Europameister David Lama begnügen. Eine Platzierung, die er mit gemischten Gefühlen aufnahm: "Zum einen war ich schon zufrieden mit dem Erreichen des Finales. Zum anderen ärgere ich mich, dass es so knapp an einer Medaille vorbeiging." Nur fünf Griffe fehlten Lama, der inzwischen vermehrt im echten Fels unterwegs ist, zu einer Medaille. Knapp nach der letzten Kante rutschte er ab. "Ich habe mein Maximum abgerufen", bekannte er.

Der Sieg ging an den spanischen Ex-Weltmeister Ramon Julian Puigblanque. Der Routinier schaffte zwei Griffe mehr als der Tscheche Adam Ondra, der es in der Qualifikation und im Halbfinale als Einziger bis nach ganz oben geschafft hatte.

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