13.08.2020 14:01 |

Rund 16.000 Kandidaten

Medizin-Aufnahmetest als Hochsicherheits-Event

Bis zu 16.000 Kandidaten werden sich am Freitag dem Aufnahmetest für das Medizinstudium an den Medizin-Unis Wien, Graz und Innsbruck sowie der Medizin-Fakultät der Uni Linz stellen. Wegen der Corona-Pandemie findet der Test heuer unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und an mehr Standorten als bisher statt. Am Donnerstag haben die vier Unis ihre Konzepte vorgestellt.

Ursprünglich sollte der inklusive Pausen rund achtstündige Aufnahmetest, über den die insgesamt 1740 Studienplätze in Human- und Zahnmedizin an den vier Unis vergeben werden, bereits am 3. Juli stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie wurde er auf den 14. August verschoben.

Wohl größte Veranstaltung seit Lockdown
Man habe auch andere Optionen geprüft, wie in kurzer Zeit ein anderes faires Aufnahmeverfahren durchführbar wäre, betonte Anita Rieder, Vizerektorin für Lehre der Medizin-Uni Wien. Nach „intensivsten Diskussionen“ habe man sich aber für die Durchführung des sogenannten MedAT entschieden - eben mit einem umfassenden Sicherheitskonzept, immerhin sei es das wahrscheinlich größte Event seit Beginn der Corona-Krise.

Die meisten der ursprünglich 17.599 Interessenten wollen auch unter diesen neuen Bedingungen am Test teilnehmen. Die Möglichkeit, sich heuer abzumelden und ausnahmsweise die Testgebühr von 110 Euro zurückzuerhalten, haben in Wien, Graz und Linz nur zehn Prozent genutzt, in Innsbruck waren es etwas mehr. Allerdings könnten noch weitere Kandidaten aufgrund von Reisebeschränkungen ausfallen, so Rieder.

Strikte Regeln gegen Infektionsgefahr
Für das Aufnahmeverfahren gelten strenge, unter den beteiligten Unis und mit den Gesundheitsbehörden abgestimmte Hygienemaßnahmen, die sich im Detail an den verschiedenen Standorten unterscheiden können. Um die Infektionsgefahr zu verringern, wird heuer an mehr Standorten als bisher getestet. An allen Testorten darf das Gelände nur in einem zugewiesenen Zeit-Slot betreten und verlassen werden. Am Eingang wird kontaktlos Fieber gemessen. Verpflichtend sind Abstand halten, Händedesinfektion und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes abseits des wie jedes Jahr personalisierten Sitzplatzes. Für Angehörige von Risikogruppen gibt es Extraräume mit noch größeren Abständen und eigenen Zugangszeiten.

Wer sich krank fühlt, soll nicht kommen
Die Unis appellieren an alle Kandidaten, die sich krank fühlen, nicht zum Test zu kommen. Sollten einige dennoch vor Ort Symptome einer Covid-19-Infektion zeigen, können sie nach Untersuchung durch einen Arzt und einem Corona-Test unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen an der Prüfung teilnehmen, und zwar in einem separaten Raum und bei durchgängigem Tragen einer entsprechenden Maske. Die Medizin-Uni Wien hat dafür eigens Corona-Triageteams des Roten Kreuzes vor Ort, Verdachtsfälle können den Test mit einem Sicherheitsabstand von sieben Metern in einer eigenen Halle schreiben.

Die Medizin-Uni Wien hält den Test für ihre rund 7800 Bewerber wegen der Corona-Pandemie erstmals an zwei Standorten ab, wo sie zusätzlich auf mehrere Hallen verteilt werden: Rund 2400 Studieninteressenten mit Adresse in Deutschland, Salzburg, Nord-, Ost- und Südtirol, Vorarlberg und Oberösterreich werden im Messezentrum Salzburg getestet. Rund 5400 Bewerber aus den anderen Bundesländern Österreichs, aus EU- und Nicht-EU-Ländern sowie alle Interessenten fürs Zahnmedizinstudium treten in Wien an.

Corona-Konzept schon bei An- und Abreise
Das Konzept beginne schon bei der An- und Abreise, betonte Hans-Peter Hutter vom Zentrum für Public Health der Medizin-Uni Wien. Durch die Aufteilung auf zwei Standorte wurde versucht, Zugfahrten durch ganz Österreich zu minimieren. Am Testtag selbst gibt es eigens dichtere Öffi-Intervalle. Am gesamten Areal gilt strikte Maskenpflicht, Begleitung etwa durch die Eltern ist nicht möglich. Der Einlass wird von Sicherheitsdienstmitarbeitern überwacht und erfolgt gestaffelt im Viertelstundentakt. Man hat sich laut Rieder ein „ausgeklügeltes System“ mit vielen Eingängen und kurzem Anstellen ausgedacht. Wer nicht im zugeteilten Zeitfenster erscheint, gilt als „nicht angetreten“.

Zwei Meter Abstandspflicht im Innenraum
Im gesamten Indoor-Bereich - 70.000 Quadratmeter für die Testung und ebenso viele Nebenflächen - muss beim Anstellen und am Sitzplatz ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden. Dafür gibt es an den Einlässen, Garderoben, WCs und Ausgängen insgesamt 1900 Abstandsmarkierungen.

Eine optimierte Lüftung der Testhalle soll das Infektionsrisiko durch Aerosole senken, der Test wird laut Hütter praktisch unter Außenluftbedingungen geschrieben. Außerdem wurde bei allen Test-Mitarbeitern der Uni, den Securitys und dem technischen Personal - insgesamt 600 Personen - ein PCR-Tests auf Covid-19 gemacht.

Hutter: „Es war kein Zuckerschlecken“
„Es war kein Zuckerschlecken“, betont Hutter. Man habe jede Eventualität berücksichtigt. Deshalb glaube er auch, dass die Übung, die definitiv ein Testlauf für weitere Indoor-Veranstaltungen sein werde, „wirklich gelingen wird“. Einschränkung: „Wenn sie (die Bewerber, Anm.) danach in den Prater schunkeln gehen, ist das nicht mehr unser Verantwortungsbereich.“

Mehrere Prüfungsorte in Oberösterreich und Graz
Die Uni Linz hält den Test im Design Center Linz und in der Messe Wels ab, die jeweils rund 800 Bewerber werden vor Ort auf mehrere Räume aufgeteilt. Drinnen sind Maskentragen und ein Meter Abstand Pflicht. Überprüft wird das von 270 Mitarbeitern, die ebenfalls auf das Coronavirus getestet wurden und mit FFP2-Masken ausgerüstet sind.

In Graz wurde die Testfläche für die rund 2800 Kandidaten im Vergleich zu bisher verdoppelt, getestet wird erstmals in der Grazer Stadthalle und der Messehalle A. Der Eintritt erfolgt auch hier gestaffelt, im Haus gibt es ein Leitsystem. Regelmäßige Händedesinfektion, Abstand von einem Meter und Mund-Nasen-Schutz abseits des Sitzplatzes sind Pflicht, in den Prüfungsräumen wird die Luft alle 30 Minuten komplett getauscht.

„Höchste Sicherheitsvorkehrungen“ in Innsbruck
Auch in Innsbruck werden die Teilnehmer des Aufnahmeverfahrens für Human- und Zahnmedizin „unter den höchsten Sicherheitsvorkehrungen“ auf ihre Eignung für das künftige Studium geprüft. Der Zugang und das Verlassen der Räumlichkeiten in der Messe Innsbruck ist streng geregelt und wird über mehrere voneinander getrennte Eingänge erfolgen. Um mehr Platz zur Verfügung zu haben, werden heuer zum ersten Mal alle Räume der Messe benützt. Besonders beanspruchte Flächen werden bereits im Vorfeld, aber auch während des Testtages speziell gereinigt und desinfiziert.

Inhalt und Zeitplanung des MedAT wurden im Vergleich zu bisher nicht verändert: Es werden das schulische Vorwissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, Lesekompetenz und Testverständnis sowie kognitive Fertigkeiten (etwa Zahlenfolge, Merkfähigkeit, Implikationen erkennen) getestet. Beim Bereich „Emotionen Erkennen“ müssen die Bewerber anhand der Beschreibung einer Situation feststellen, wie sich ihr Gegenüber fühlt. Angehende Zahnmediziner müssen statt Textverständnis und dem Erkennen von Implikationen außerdem manuelle Fertigkeiten nachweisen.

In der Humanmedizin gehen 75 Prozent der Studienplätze an allen Unis an Kandidaten mit österreichischem Maturazeugnis, 20 Prozent an Bewerber aus der EU und fünf Prozent sind für Studienwerber aus Drittstaaten vorgesehen. In der Zahnmedizin werden die Plätze unabhängig von der Nationalität an die Bewerber mit dem besten Testergebnis vergeben.

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