12.08.2020 15:54 |

Jugend unter Druck

„Generation Corona“ kämpft um Arbeitsplätze

Die Corona-Krise erschwert für junge Menschen die Suche nach einer Lehrstelle oder einem Arbeitsplatz massiv. Die offenen Stellen sind stark gesunken, die Arbeitslosigkeit nach oben geschossen. „Die Einstiegsarbeitsmärkte sind verstopft“, so Wifo-Ökonomin Julia Bock-Schappelwein am Mittwoch bei einer Online-Diskussionsrunde der Arbeiterkammer.

Bei der Wirtschaftskrise 2008/09 sei nur der Produktionsbereich betroffen gewesen und Dienstleistungen als Beschäftigungsalternative in den Vordergrund gerückt. Von der Corona-Krise seien fast alle Wirtschaftsbereiche betroffen, sagte Bock-Schappelwein. Je nach Ausbildung brauche es nun verschiedene Maßnahmen für junge Menschen. Handlungsbedarf sieht die Wifo-Ökonomin unter anderem bei Lehrstellen, aber auch bei Studierenden, die ohne Nebenjobs nicht ihr Studium finanzieren könnten.

Zahl der jungen Arbeitslosen steigt
Ende Juli lag die Zahl der 15- bis 24-Jährigen, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos oder in Schulung registriert waren, bei über 63.000 Personen - ein Plus von knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Lehrstellenlücke - die Differenz zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden - war im Juli um über 2500 höher als im Juli 2019 und belief sich auf knapp 5500.

Taskforce für Jugendbeschäftigung
Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) hat Anfang Juli die Taskforce für Jugendbeschäftigung gestartet. Zuvor ins Leben gerufen wurde von der türkis-grünen Regierung bereits der Lehrlingsbonus. Unternehmen, die einen Lehrling zwischen 16. März und 31. Oktober 2020 neu einstellen, erhalten einen Bonus von 2000 Euro. Für Kleinstunternehmer wurde der Bonus Mitte Juli auf 3000 Euro und für Kleinunternehmer auf 2500 Euro erhöht.

Warnung vor „Generation Corona“
Die Arbeitsmarkt-Referentin der Arbeiterkammer Wien, Silvia Hofbauer, warnt vor einer „Generation Corona“ bei jungen Menschen. Es brauche „ganz dringend“ mehr Lehrstellen und Ausbildungsangebote für arbeitslose Jugendliche. Staatsnahe Betriebe und die öffentliche Hand müssten einspringen und mehr Lehrstellen zur Verfügung stellen, forderte die AK-Referentin. 

„Im Herbst wird noch mal die Zahl der Lehrstellensuchenden steigen“, erwartet Hofbauer. Auch die von Experten vorhergesagte Insolvenzwelle im zweiten Halbjahr 2020 und ersten Halbjahr 2021 werde die Lehrstellen- und Jobsuche für Jugendliche erschweren. Für Studierende wünscht sich Hofbauer eine „bessere soziale Absicherung“ und eine Inflationsanpassung bei der Studienbeihilfe. Die letzte Valorisierung der Stipendien sei 2009 erfolgt.

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