12.08.2020 15:00 |

Rundruf der „Krone“

Tiroler Tourismusbilanz mit Licht und Schatten

Mehr als die Hälfte des Sommers ist vorüber. Die „Tiroler Krone“ hat das zum Anlass genommen und bei den Tourismusverbänden im Land nach einer Zwischenbilanz gefragt. Das Fazit: Die Buchungslage reicht von „langsam steigend“ bis hin zu „sehr gut“.

Über eine sehr gute Entwicklung seit Ferienbeginn im Juli freut sich Manfred Pfister vom Tourismusverband Zillertal. „Besonders Campingplätze und Hotels ab vier Sterne sind bestens gebucht.“ Auch in die kommenden drei Wochen blickt man überaus positiv. Da der Zeitraum von der Buchung bis zur Anreise immer kürzer werde, könne eine seriöse Prognose bis zum Saisonende jedoch nicht getätigt werden. Die meisten Gäste reisen aus dem benachbarten Deutschland an, lässt Pfister wissen: „Im Juli ist hier der Anteil von 56 auf 64 Prozent gestiegen.“ Von 6,5 auf 10,2 Prozent stieg er bei den einheimischen Gästen. Während das Niveau bei Anreisenden aus der Schweiz (7%) und Belgien (3,5%) gleich geblieben ist, verzeichnet man bei anderen Nationen einen Rückgang. „Es schmerzt Holland mit einem Rückgang von 14 auf 10 Prozent“, bedauert Pfister. Bei den Freizeitangeboten hoch im Trend sind Freibäder und Seen, die Spieljochbahn in Fügen und die Erlebnistherme. Besonders beliebt sei bei den Gästen auch das Radfahren. Die Verleihe „sind zum Großteil nahezu gänzlich ausgebucht“.

Positive Überraschung im Bezirk Kitzbühel
Für den Juli rechnete der Tourismusverband Kitzbühel ursprünglich mit einem Einbruch der Nächtigungen um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut Viktoria Veider-Walser wurde man aber „mehr als positiv überrascht. Trotz der Absage zahlreicher Veranstaltungen sind die Betriebe mit der Auslastung zufrieden.“ Nach der Durststrecke in den Monaten zuvor sei dies ein gutes Zeichen. Schließlich würden bei Betrachtung des ganzen Jahres 45 Prozent der Nächtigungen im Sommer erzielt. Für August sei die Buchungslage auch zufriedenstellend. Wie im Zillertal verzeichnet man auch in Kitzbühel die meisten Gäste aus Deutschland. „Mit knapp der Hälfte der Nächtigungen ist das unser wichtigster Markt“, betont Veider-Walser. Bei den Österreichern gebe es ein Plus von rund zehn Prozent. Verschoben auf die Schweiz hat sich der Anteil der Urlauber aus Großbritannien. Generell habe man sich im Marketing auf die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz konzentriert. Sehr beliebt seien bei den Urlaubern die Wellnessangebote und Wandergebiete in der Region.

Auslastung in Innsbruck steigt lediglich langsam
Weniger rosig sieht hingegen die Lage in der Landeshauptstadt Innsbruck aus, wie Barbara Plattner mitteilt: „Gesamt betrachtet ist die Auslastung langsam steigend. Bei Betrieben mit Individualreisenden ist sie besser als befürchtet.“ Sehr schwierig sei die Situation für jene, die sich auf Gruppen und internationale Gäste spezialisiert haben. Wenig verwunderlich ist, dass – laut Plattner – der Geschäfts- und Kongresstourismus „quasi nicht existent“ ist. Die Auslastung für Juli und August liege in der Stadt zwischen 25 und 35 Prozent. Etwas besser laufe es für die Ferienhotellerie, für die eine Auslastung von 50 Prozent erwartet wird. Auch in der Landeshauptstadt verzeichnet man die meisten Gäste aus Deutschland, dem Inland und der Schweiz. Bei jenen, die kommen, werde die kostenfreie „Welcome Card“ sehr gut genutzt und die „Innsbruck Card“ sei ebenfalls stark nachgefragt. Trotz eingebrochener Gästezahlen sei die Anzahl an eingelösten Bergfahrten „fast genauso hoch wie im Vorjahr“, schildert Plattner, die diesen Umstand auch darauf zurückführt, dass „in Summe zwar weniger Touristen kommen, diese dafür allerdings länger bleiben“.

Ein Drittel weniger Gäste für das Paznauntal
Eine große Verunsicherung herrscht aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor im Paznauntal, wie Isabell Parth mitteilt: „Die Saison startete erst gegen Ende Juni. Die Nächtigungszahl ist um rund ein Drittel geringer als im Vorjahr.“ In Anbetracht der Gesamtsituation sehe man die Buchungslage jedoch „sehr positiv“. Das Verhalten der Gäste habe sich diesbezüglich aber stark verändert. „Sie buchen sehr kurzfristig, manche sogar erst am Tag der Anreise.“ Eine Vorhersage über die Entwicklung bis zum Saisonende sei deshalb derzeit absolut nicht möglich. Mit rund 55 Prozent machen abermals die Urlauber aus Deutschland den größten Anteil aus. Gefolgt von Österreichern (11,22%), Schweizern (10,63%), Holländern (9,74%) und Belgiern (6,5%). Gäste würden mit der „Silvretta Card“ vor allem wandern, mountainbiken, klettern sowie auch schwimmen gehen.

Lage in St. Anton viel besser als angenommen
Ganz im Westen Tirols, in St. Anton am Arlberg, ist „die Auslastung deutlich erfreulicher als man am Anfang angenommen hat“, sagt Tourismusverband-Geschäftsführer Martin Ebster. Im Vergleich zum Vorjahr liege man derzeit bei der Anzahl an Gästen bei rund 80 Prozent. „Wir hoffen, dass das bis zum Ende der Saison in diesem Bereich bleibt.“ Grundsätzlich sei eine „super Stimmung im Ort zu spüren“. Viele Gäste, die sonst zum Meer fahren würden, seien auf die Berge ausgewichen und begeistert. „Hätten wir gewusst, wie schön es hier ist, wären wir schon früher gekommen“, zitiert Ebster einen von ihnen. In normalen Zeiten lebt St. Anton von Gästen aus aller Welt. Auch hier würden derzeit hauptsächlich Deutsche und Österreicher, aber auch Holländer das Bild im Ort prägen. Briten, Schweden und Franzosen „fehlen hingegen komplett“.

Sportgeschäfte sind offenbar die Gewinner
Der „Run“ auf die Berge ist auch in St. Anton deutlich zu spüren. Bergbahnen würden derzeit regelrecht gestürmt, sagt Ebster. Und wie im Zillertal zählen die Sportgeschäfte offenbar zu den großen Gewinnern, da das E-Bike „ein absoluter Renner“ sei.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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