06.08.2020 06:00 |

75 Jahre Hiroshima

Schallenberg: „Der Schmerz lebt bis heute weiter“

Heute vor 75 Jahren um exakt 8.16 Uhr und zwei Sekunden explodierte die Atombombe „Little Boy“ in 600 Meter Höhe über dem japanischen Hiroshima. Innerhalb von Sekunden macht eine Druck- und Hitzewelle mit mindestens 6000 Grad die Stadt zur lodernden Hölle. Von den 350.000 Einwohnern sterben etwa 70.000 auf einen Schlag. Ende Dezember 1945 liegt die Zahl der Todesopfer bereits bei 140.000 Menschen.„Der Schmerz“, sagt Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg, „der damals durch den Einsatz dieser Waffe verursacht wurde, lebt bis heute in den Überlebenden und den Hinterbliebenen der Todesopfer weiter.“ 

„Unsere Verantwortung ist es, dafür Sorge zu tragen, dass sich dieses traurige Kapitel in der Weltgeschichte, das Auslöschen einer florierenden Zivilgesellschaft, nie mehr wiederholt“, so der Außenminister.

„Nuklearwaffenfreie Welt ist außenpolitische Priorität Österreichs“
Ein unabdingbarer Schritt auf dem Weg dorthin, sagt Schallenberg, sei der Atomwaffenverbotsvertrag aus dem Jahr 2017, der von Österreich maßgeblich mitinitiiert und ratifiziert worden ist. Inzwischen haben 81 Staaten diesen Vertrag unterzeichnet, 40 haben ihn auch bereits ratifiziert.

Schallenberg betont: „Das ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg hin zu einer Welt, in der kein Mensch mehr in Furcht vor diesen Waffen leben muss. Das Streben nach einer nuklearwaffenfreien Welt ist eine außenpolitische Priorität Österreichs.“ Ein Appell für nukleare Abrüstung, gerade in angespannten Zeiten.

Kronen Zeitung

Kommentar von Christian Hauenstein: Der Kaiser und die Bombe
Er habe sich entschlossen, „das Unerträgliche zu ertragen“, sagte das „Kind des Himmels“, der 124. Spross der Sonnengöttin Amaterasu, am 15. August 1945 gegen 7.30 Uhr in einer Sondermeldung von Radio Tokyo. Kaum einer der damals 72 Millionen Japaner hatte jemals zuvor die Stimme von Kaiser Hirohito gehört. Aber diese eine Botschaft war zu wichtig, sie konnte nur von dem vergöttlichten Tenno persönlich kommen.

Denn mit Hirohitos Worten zerbrach der bis dahin als unverrückbar geltende nationalistische Kult von der Unbesiegbarkeit des kaiserlichen Japan. Mit dem „Unerträglichen“ meinte der Kaiser die Kapitulation Japans. Eine für jeden Japaner bis dahin unvorstellbare Schande.

Japan hatte in den Jahren zuvor mit Angriffskriegen und schlimmsten Massakern unermessliches Leid über weite Teile Asiens und des pazifischen Raumes gebracht. Die japanischen „Herrenmenschen“ sahen sich als natürliche Verbündete der deutschen „Herrenmenschen“ unter Adolf Hitler. Und Japans Soldaten verhielten sich um nichts besser als die deutsche SS.

Der Tenno hatte all das militärische und menschliche Wüten durch seine Zustimmung zu den Beschlüssen seiner Militärs gutgeheißen. Doch an jenem 15. August stellt er sich gegen das Militär und ebnete den Weg zum Frieden.

Eine Woche zuvor, am 6. August, hatten die Amerikaner die erste Atombombe der Welt über Hiroshima abgeworfen und sechs Tage später eine weitere über Nagasaki …

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung

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