24.07.2020 07:25 |

Sinkflug eingeleitet

Passagierflugzeug aus Iran von Kampfjets bedrängt

Einer iranischen Passagiermaschine sollen sich am Donnerstag zwei fremde Kampfflugzeuge über Syrien in den Weg gestellt haben. Das Flugzeug musste rasch einen Sinkflug einleiten, um eine Kollision zu verhindern. Mehrere Fluggäste wurden bei diesem Manöver verletzt.  

Der iranische Staatssender IRIB berichtete über den Vorfall mit dem Flugzeug der Mahan Air auf dem Flug 1152. Das US-Militär bestätigte später die Annäherung einer eigenen Maschine an den Passagierjet zur Identifizierung.

Reporter an Bord: „Keine Bedrohung, sondern Angriff“
Nach Angaben eines IRIB-Reporters, der selbst an Bord war, wurde vom syrischen Kontrollturm gesagt, dass es sich um zwei israelische Kampfjets gehandelt habe. Die hätten sich dem Verkehrsflugzeug bis auf 200 Meter genähert, behauptete der Reporter. Bei dem Sturzflug seien drei Passagiere leicht verletzt worden. „Das war nicht nur eine Bedrohung, sondern de facto ein Angriff der Zionisten (Israel) auf die iranische Maschine“, sagte der Reporter.

USA: F-15-Einsatz war „im Einklang mit internationalen Standards“
Stunden später bestätigte das US-Militär, dass ein eigener Kampfjet den Passagierjet im syrischen Luftraum kontrolliert habe. Die F-15 habe den Passagierflieger „aus einer sicheren Entfernung von rund 1000 Metern“ einer üblichen optischen Identifizierung unterzogen, teilte Hauptmann Bill Urban, Sprecher des zuständigen Central Command, mit. Anlass der Kontrolle sei die Sicherheit von Koalitionsangehörigen in der Garnison in Al-Tanf gewesen. Als der Pilot dann das Flugzeug als Passagierjet der Mahan Air identifizierte, entfernte sich die F-15 mit gebührendem Abstand von der Maschine. Die Aktion sei „im Einklang mit internationalen Standards“ erfolgt.

Syrien hatte schon vorher in Richtung US-Luftwaffe argumentiert. Die syrische Staatsagentur Sana zitierte Vertreter des Luftfahrtamtes mit den Worten: „Ein Flugzeug, das zur US-geführten Koalition gehören soll, fing ein iranisches Verkehrsflugzeug in syrischem Luftraum im Gebiet von Al-Tanf ab und zwang den Piloten, in scharfen Sinkflug zu gehen. Dies führte zu kleineren Verletzungen bei Passagieren.“ Die aus Teheran kommende Verkehrsmaschine habe ihren Flug nach Beirut fortsetzen können.

Auch das iranische Außenministerium wollte eine israelische Beteiligung an dem Vorfall nicht bestätigen. „Die Details des Vorfalls werden noch untersucht und danach werden wir politische und rechtliche Schritte einleiten“, sagte Sprecher Abbas Moussawi. Außerdem habe der Iran UN-Generalsekretär Antonio Guterres und die Schweizer Botschaft, die die diplomatischen Interessen der USA vertritt, über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Die iranische Regierung erwarte, dass die Maschine sicher und ohne Zwischenfälle nach Teheran zurückfliegen können, so der Sprecher.

Passagiere nach Sinkflug unter „Schock und Angst“
Der Direktor des Beiruter Flughafens erklärte dem libanesischen TV-Sender New, die iranische Maschine sei um 20.30 Uhr Ortszeit in Beirut gelandet. „Alle Passagiere sind wohlauf, doch einige hatten kleinere Verletzungen“, sagte er. „Doch die meisten litten unter Schock und Angst.“ Der Leiter des libanesischen Roten Kreuzes, George Kettneh, erklärte der Deutschen Presse-Agentur: „Unsere Teams haben keine Verletzten in Krankenhäuser gebracht.“ Die meisten Passagiere standen unter Schock, hieß es.

Im Internet kursierten Videos, die in dem Flugzeug aufgenommen worden sein sollen und Passagiere mit Schwimmwesten sowie Gegenstände auf dem Mittelgang zeigten. Die Echtheit der Aufnahmen war nicht zu verifizieren.

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