22.07.2020 09:23 |

Taliban stürmten Dorf

Afghanin (16) erschießt Mörder ihrer Eltern

Unfassbar, welche psychischen Qualen die junge Afghanin Qamar Gul erlitten hat: Die 16-Jährige musste mit ansehen, wie ihre Eltern in ihrem eigenen Zuhause von Taliban-Kämpfern erschossen wurden. Doch anstatt zu flüchten, griff das Mädchen zu einem Sturmgewehr, erschoss damit die Mörder ihrer Eltern und verwundete mehrere Terroristen.

Dutzende Kämpfer der Terrororganisation stürmten vergangene Woche das Dorf Geriveh, wo das Mädchen mit seiner Familie lebte, wie „The Guardian“ berichtete. Die Eindringlinge waren dabei gezielt auf der Suche nach dem Vater von Gul, der sich in der Vergangenheit regierungsfreundlich geäußert und so den Zorn der Terror-Miliz auf sich gezogen hatte.

Mutter wollte Tür nicht öffnen und wurde als Erste getötet
„Die Aufständischen kamen an ihre Türschwelle und ihre Mutter ging nachsehen, wer da klopft“, berichtete Mohamed Aref Aber, ein Sprecher des Provinzgouverneurs. „Als sie sah, dass sie bewaffnet waren, weigerte sie sich, die Tür zu öffnen.“ Doch das hielt die Angreifer nicht ab - sie schossen auf die Mutter, die tot zusammenbrach. Danach drangen sie in das Haus ein, um den Vater ebenfalls mit Schüssen hinzurichten.

Die 16-jährige Tochter musste den Mord an ihren Eltern mit ansehen. Doch anstatt in Schockstarre zu verfallen, wehrte sich das mutige Mädchen gegen die Terroristen: Gul schnappte sich die AK-47 ihres Vaters und tötete drei der Angreifer. Es folgte ein Kampf gegen die Taliban, der etwa eine Stunde dauerte - ihr zwölfjähriger Bruder Habibullah war währenddessen an ihrer Seite.

Obwohl die Taliban Verstärkung erhielten, gelang es Dorfbewohnern und regierungsfreundlichen Milizen schließlich, die Terrorgruppe aus dem Ort zu vertreiben. Gul und ihr Bruder wurden anschließend an einen sicheren Ort in der Provinzhauptstadt gebracht. „Sie standen in den ersten beiden Tagen unter Schock und konnten nicht allzu viel reden, aber jetzt sind sie in einem guten Zustand“, berichtete Aber. „Sie sagen: ,Das war unser Recht, denn sie haben uns unsere Eltern genommen.‘“ Die Geschwister hätten nicht viele Verwandte außer einen Halbbruder, der ebenfalls im Dorf wohnte.

Geschwister wurden in Präsidentschaftspalast eingeladen
Für die afghanische Regierung ist Gul eine Heldin. In einer Kabinettssitzung wurde ihr Mut gelobt, und Präsident Ashraf Ghani lud die Kinder in den Präsidentschaftspalast ein. „Als ich sie an diesem Abend sah, wirkten sie noch immer geschockt, fühlten sich aber auch geehrt“, sagte Mohammad Rafiq Alam, der Gouverneur des Distrikts.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).