18.07.2020 18:00 |

„Equal Pension Day“

Tirolerinnen bekommen 44 Prozent weniger Pension

Der 20. Juli markiert in Tirol den Tag, an dem Männer bereits so viel Pension auf ihrem Konto haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten haben werden. Zu diesem „Equal Pension Day“ macht Frauenlandesrätin Gabriele Fischer auf die Hauptursachen dieses Problems aufmerksam und betont, dass eine Sensibilisierung bereits in jungen Jahren notwendig ist.

Basierend auf einer Auswertung der Pensionsversicherungs-Jahresstatistik wurde für Tirol der 20. Juli als „Equal Pension Day“ errechnet. Für Gesamtösterreich fällt dieser Tag auf den 30. Juli. „Das bedeutet, dass Frauen in Tirol um 44,6 Prozent weniger Pension erhalten als Männer. Sie erhalten 163 Tage des Jahres kein Geld“, rechnet Frauenlandesrätin Gabriele Fischer vor. Österreichweit ist die Differenz mit 41,9 Prozent (153 Tagen) zu beziffern.

Familiengründung vermindert Arbeitszeit
Ein ausschlaggebender Grund für diesen Unterschied sei etwa, dass bei der Familiengründung in den meisten Fällen Frauen nah der Geburt eines Kindes ihre Arbeitszeiten reduzieren. „Genau zu diesem Zeitpunkt beginnt das geschlechtsspezifische Lohngefälle“, stellt Fischer klar. „Die Statistik Austria bemisst aktuell die Armutsgefährdung bei Frauen über 65 Jahren mit 29 Prozent, während diese bei Männern derselben Altersgruppe bei fast der Hälfte liegt.“

Scheidung bedeutet erhöhte Kosten
Noch dramatischer wird die Situation für Frauen nach einer Trennung. „Oft beginnt die soziale Schlechterstellung mit einer Scheidung und den gestiegenen Kosten im Single-Haushalt. Auch finden diese Frauen, die sich um Haus und Kinder gekümmert hatten, schwer einen Job, der das finanzielle Auskommen im Alter absichert“, berichtet die Frauenlandesrätin aus vielen typischen Biografien.

Die Teilzeitarbeit ist für die familienintensiven Phasen sehr gut, ist allerdings meist nicht existenzsichernd und hat langfristige Auswirkungen auf das Lebenseinkommen.

Konservative Frauenrolle wieder präsenter
„Es ist mir daher sehr wichtig, bereits jungen Frauen die Folgen von Teilzeitarbeit und traditioneller Rollenverteilung aufzuzeigen“, betont Fischer, die gemeinsam mit Expertinnen einen Rückschritt hin zu konservativen Rollenbildern ortet: Eine steigende Anzahl an Mädchen erkennet nicht die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung, sondern verlässt sich darauf, zu heiraten und von den Einkünften des Ehemannes zu leben.

„Am besten können Frauen sich vor Altersarmut schützen, indem sie ihre Absicherung möglichst früh in die eigenen Hände nehmen und nicht darauf hoffen, dass es schon irgendwie reichen wird“, ist Fischer überzeugt. Eine weitere Möglichkeit sei das Pensionssplitting. Dabei wird die Pension jenes Elternteils, der vorwiegend Erwerbsarbeit geleistet hat, zu dem Elternteil auf das Pensionskonto umgeschichtet, der unbezahlt Familienarbeit geleistet hat.

Neues Design für Online Frauenberatung
Einen niederschwelligen Zugang zu Frauenberatung stellt unter anderem die vom Land Tirol finanzierte und vom Verein Frauen im Brennpunkt durchgeführte Online Frauenberatung dar. Diese hat sich einem kompletten Relaunch unterzogen und präsentiert sich auf www.online-frauenberatung.at in neuem Design.

Beibehalten wurden die für ratsuchende Frauen wichtigen Features: kostenlos, vertraulich, datensicher und rasch erfolgt eine Rückmeldung werktags innerhalb von 48 Stunden. Fragen zur Existenzsicherung, Beruf, Aus- und Weiterbildung werden beantwortet, auch Themen wie Partnerschaft, Sexualität, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder Gewalt können besprochen werden.

 Tiroler Krone
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