Österreichs Schüler leisten einiges. So verbringen sie in bestimmten Schulstufen mehr als 1.000 Stunden im Klassenzimmer. Das ist in etwa gleich viel wie ihre Kollegen in den anderen OECD-Staaten bzw. in höheren Schulstufen sogar noch mehr.
In der Volksschule bzw. am Anfang der Sekundarstufe sitzen die österreichischen Kinder noch kürzer in der Klasse (Sieben- und Achtjährige: 690 Stunden, Neun- bis Elfjährige: 767 Stunden) als ihre Kollegen in den anderen OECD-Staaten (Sieben- und Achtjährige: 759 Stunden, Neun- bis Elfjährige: 802 Stunden). Im späteren Verlauf der Sekundarstufe sieht es dann genau umgekehrt aus: Zwölf- bis 14-Jährige in Österreich haben 913 Stunden Pflichtunterricht (OECD-Schnitt: 886 Stunden), 15-Jährige 1.005 Stunden (OECD-Schnitt: 902).
Lehrer-Arbeitszeit: Hoch im Vertrag, niedrig in der Klasse
Die österreichischen Lehrer stehen dagegen deutlich weniger lang in der Klasse als ihre Kollegen in der OECD. In der Volksschule ist der Unterschied noch gering (Österreich: 779 Stunden, OECD-Schnitt: 786 Stunden), im Bereich der Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) allerdings gewaltig: Die österreichischen Lehrer (607 Stunden) sind hier fast 100 Stunden weniger in der Klasse als der OECD-Schnitt (703 Stunden).
Weniger unterrichtet wird nur in Griechenland (429 Stunden), Polen (513) und dem Vorzeige-Bildungsland Finnland (592), wo aber das Schulsystem an sich mit Gesamtschulen und klassenlosen Oberstufen alles andere als eine Durchschnitts-Konstruktion ist. Auch in der AHS-Oberstufe unterrichten die österreichischen Lehrer weniger: Während die Pädagogen im OECD-Schnitt 661 Stunden in der Klassen stehen, sind es hierzulande nur 589.
Umgekehrt ist die gesetzliche bzw. vertragliche jährliche Gesamtarbeitszeit der Lehrer in Österreich, in die u.a. Vorbereitung und Korrekturen eingerechnet wird, mit 1.776 Stunden höher als in der OECD (rund 1.660 Stunden je nach Schultyp). Am höchsten ist die Gesamtarbeitszeit der Lehrer in den USA (1.913 Stunden) und Japan (1.899 Stunden).
Gehaltsmäßig sieht es für die heimischen Pädagogen durchwachsen aus: Beim Anfangsgehalt und beim Gehalt nach 15 Jahren Berufserfahrung liegen sie unter dem OECD-Schnitt, im Primarbereich leicht, im Sekundarbereich etwas deutlicher. Beim Endgehalt sind sie in allen Bereichen dann aber klar über dem OECD-Schnitt - und auch hier gibt es aber kalt-warm für sie: Auf das Endgehalt müssen sie lange 34 Jahre warten (OECD: 24 Jahre), dafür ist es doppelt so hoch wie das Anfangsgehalt (OECD: je nach Schultyp 1,70 bis 1,74 mal so hoch wie das Anfangsgehalt).
Mehr Berufsorientierte, höhere Hochschulquote
Weitere Österreich-relevante Ergebnisse: Beim Anteil der Schüler in Schulen der Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe, berufsbildende Schulen) liegt das Land an erster Stelle der Industriestaaten. Die Hochschulzugangsquote wurde um acht Prozentpunkte auf 50 Prozent eines Altersjahrganges gesteigert.
Die Ausgaben pro Schüler bzw. Student betrugen 2007 von der Volks- bis zur Hochschule 10.974 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr - ein Wert, der deutlich über dem OECD-Schnitt von 8.216 Dollar liegt. Übertroffen wird das nur von den USA (14.269 Dollar), der Schweiz (13.031) und Norwegen (11.967).
Bildung rentiert sich für Staat und Individuum
Die Grundaussage der OECD-Studie: Höhere Bildung zahlt sich aus - nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für den Staat. Durch höhere Steuer- und Sozialabgaben von Akademikern bleibt beispielsweise dem österreichischen Staat selbst nach Abzug der für ein Studium aufgewendeten öffentlichen Mittel bei Männern ein Nutzen in Höhe von 117.000 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) - mehr als doppelt so viel, wie der Staat pro Student aufwendet. Die OECD rät deshalb zu Investitionen in die Hochschulen - "selbst wenn dadurch ein Defizit im Staatshaushalt entsteht".
Auch wenn es ums eigene Bankkonto geht, zahlt sich Bildung aus: So liegen laut OECD die Einkommen von Uni- und Fachhochschul-Absolventen in Österreich bei den 25- bis 64-Jährigen um rund 80 Prozent (Männer) bzw. 70 Prozent (Frauen) über jenen der Absolventen des Sekundarbereichs. Im OECD-Schnitt beträgt der Unterschied 70 Prozent (Männer) bzw. 65 Prozent (Frauen). Konkret bedeutet das, dass ein männlicher Akademiker in Österreich im Laufe seines Erwerbslebens 381.000 Dollar (Frauen: 264.000) mehr verdient als ein Maturant oder Lehrabsolvent. Selbst nach Abzug aller Kosten bleibt ein Netto-Nutzen beim Gehalt von 158.000 Dollar (Frauen: 85.000).
Schmied: Weiter Reformen und neues Lehrer-Dienstrecht
Bildungsministerin Claudia Schmied hat die Studienergebnisse am Dienstag als erste positive Auswirkungen von Reformen im Bildungsbereich interpretiert. Als Beispiele nannte sie etwa den hohen Anteil an Schülern, die eine Schule mit beruflicher Orientierung besuchen, die im OECD-Vergleich unterdurchschnittliche Klassengröße und die Steigerung der Hochschulzugangsquote.
Die Ergebnisse bei Lehrergehältern und -arbeitszeit sieht die Ministerin als Bestätigung für die Notwendigkeit eines neuen Dienst- und Besoldungsrechts für Pädagogen. Zum Beispiel daran, dass die Lehrer bei einer überdurchschnittlich hohen jährlichen Gesamtarbeitszeit vergleichsweise weniger Zeit in den Schulklassen verbringen und beim Anfangsgehalt und der Entlohnung nach 15 Jahren unter dem OECD-Durchschnitt liegen. "Hier besteht für die Zukunft Handlungsbedarf, zumal der Arbeitsmarkt für LehrerInnen sich in Konkurrenz zu den Nachbarländern befindet", so Schmied.
Opposition kritisiert "uneinsichtige Betonierer"
Die Opposition sieht anhand der Studie Handlungsbedarf: Für Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, zeigt die OECD-Studie einmal mehr, dass "Österreichs Bildungssystem teuer und ineffizient ist". Verantwortlich dafür seien "eine verantwortungslose schwarze und rote Parteipolitik im Bildungsbereich, reformresistente Landesfürsten und uneinsichtige Betonierer in der Gewerkschaft", so Walser.
BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner forderte "eine rasche Weiterentwicklung des bestehenden Bildungssystems, damit Österreich in Zukunft europaweit mithalten wird können". Kritik gab es an SPÖ und ÖVP, diese hätten die schon seit langem notwendige Reform immer aus ideologischen Motiven scheitern lassen. Wenn nichts passiere, drohe Österreich "ein Bildungsnirwana", die österreichische Wirtschaft würde nachhaltig geschädigt.
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