Grazer Fehlplanung

Farce um seichtes Freibad geht weiter: 1,30 oder 1,41 tief?

Österreich
07.09.2010 11:18
Ginge es nicht um viel Steuergeld, es wäre zum Lachen. Angesichts der Farce rund um das als Sportfreibad angepriesene 50-Meter-Freibecken im neuen Bad Eggenberg leisten die Verantwortlichen der Stadt Graz und der Holding Graz den Offenbarungseid. Profi-Management für ein 40-Millionen-Euro-Projekt sieht anders aus.

Um das neue, 40 Millionen Euro teure Bad Eggenberg ist das totale Chaos ausgebrochen. Der Chef der Freizeitbetriebe und Projektleiter Michael Krainer behauptet, dass das 50-Meter-Freibecken zu zwei Dritteln nur 1,30 Meter tief wäre - und damit nicht wettkampftauglich. Der steirische Schwimmpräsident Peter Putzgruber spricht von einem Schildbürgerstreich: "Hier können nicht einmal steirische Meisterschaften ausgetragen werden!" Die "Krone" hatte den Pfusch am Samstag aufgedeckt.

Wettkampftiefe mit 1,41 Meter?
Auftritt des ÖVP-Sportstadtrates Detlev Eisel-Eiselsberg und des Holding-Graz-Chefs Wolfgang Malik am Montag: "Wir haben nachgemessen. Das Becken ist in Wahrheit 1,41 Meter tief und damit wettkampftauglich." Ein Blick auf die Homepage des österreichischen Schwimmverbandes offenbart aber das Gegenteil: Ein Wettkampfbecken muss zumindest 1,60 Meter tief sein. Eiselsberg: "Nach internationalen Regeln genügen 1,40 Meter!"

In Wahrheit spielt es keine Rolle, ob das Becken wettkampftauglich ist oder nicht. Vielmehr zeigt sich, dass die Verantwortlichen ein 40-Millionen-Euro-Projekt nicht recht im Griff haben. Wer nicht weiß, wie tief das Becken ist, das er teuer bauen lässt, der sollte sein Amt dringend hinterfragen. Aber mit Steuergeld kann man leicht sorglos sein - ist ja nicht das eigene.

von Gerald Richter, "Steirerkrone"

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