05.07.2020 10:00 |

Bildungsdirektor:

„Es ist genug Substanz für eine faire Benotung da“

Ein turbulentes Schuljahr geht zu Ende. Kinder, Eltern und Lehrer haben viel fürs Leben gelernt. Tirols Bildungsdirektor Paul Gappmaier im Gespräch mit der „Tiroler Krone“ über „Corona-Noten“, wichtige Hausaufgaben im Sommer und die neue Schul-Normalität ab Herbst.

„Krone“: Herr Gappmaier, in wenigen Tagen erhalten Zehntausende Tiroler Kinder ihr Zeugnis. Bildungsminister Heinz Faßmann sprach sich angesichts der Corona-Krise für eine „Beurteilung mit Augenmaß“ aus. Ist eine faire Benotung heuer überhaupt möglich?
Gappmaier: Es ist genug Substanz für eine faire Beurteilung da. Da sind die Leistungen bis zum 16. März, die Mitarbeit in der Zeit des Distance Learning und die Beiträge in den Wochen mit Schichtbetrieb.

Hat die Bildungsdirektion den Lehrern konkrete Vorgaben gemacht?
Die drei Phasen waren ja für alle gleich. Die meisten Fragen gab es zur Beurteilung der Zeit des Fernunterrichts. Dafür haben wir aber kein einheitliches Raster erstellt. Die Lehrer kennen ihre Schüler am besten und können die Bemühungen und das Erreichte auch heuer gut einordnen.

Was ist mit jenen, bei denen das Bemühen da war, aber die Technik fehlte? Am Beginn des Online-Unterrichts konnten 1600 Tiroler Kinder nicht erreicht werden.
Diese Zahl hat uns in der Tat alarmiert. Doch wir konnten sie im Laufe der Zeit minimieren. Zuletzt war es eine Handvoll Kinder, bei denen der Schule der Zugang fehlte.

Was lernt man daraus?
Wir lernen daraus, dass wir als Basis eine gute technische Ausstattung in Schulen und Familien brauchen. Der Digitalisierungsschub findet statt. Das Land unterstützt Familien zum Beispiel mit dem Digi-Scheck. Das Bildungsministerium hat einen Acht-Punkte-Plan für Schulen erstellt. Die Digitalisierung steht da ganz oben, nicht nur die Hardware. Auch bei den Schulungen für die Pädagogen wird nachgebessert.

Viele Eltern beklagten, dass die Lehrer sehr unterschiedliche Systeme verwendeten. Manche sprachen von fünf und mehr Programmen.
Stimmt schon, in den vergangenen Jahren sind die Lernplattformen wie Schwammerln aus dem Boden geschossen. Vereinheitlichungen sind jetzt unser Ziel. Das heißt aber nicht, dass es nur ein System geben wird. Aber den Wildwuchs wollen wir eindämmen.

Geht sich das bis Herbst aus, wenn es vielleicht wieder zu Schulschließungen kommen muss?
Wir warten derzeit auf den konkreten Plan des Ministeriums. Vieles werden wir bis Herbst aber bestimmt schon verbessern können.

Am Beispiel Oberösterreich wird derzeit über den Sinn von großflächigen Schulschließungen diskutiert. Fünf Bezirke sind dort betroffen. Minister Faßmann sieht das kritisch. Sie auch?
Wir sind von den Vorgaben der Gesundheitsbehörden abhängig. Grundsätzlich glaube ich, dass flächendeckende Schließungen aus den bisherigen Erfahrungen in Zukunft nicht sofort notwendig und wohl auch nicht sinnvoll sein werden. Wir müssen bedenken, dass die Betreuungskapazitäten der Eltern für heuer schon sehr ausgeschöpft sind.

1900 Tiroler Kinder besuchen die neue Sommerschule des Bundes am Ende der Ferien. Auch das Land bietet Extra-Lernbetreuung am Ferienbeginn an. Dieses Angebot kam sehr kurzfristig. Das erntete viel Kritik.
Es war kurzfristig, ja. Wie vieles in Zeiten wie diesen. Doch wir können nun an 15 Standorten in ganz Tirol dieses Angebot in den ersten Ferienwochen anbieten. Dass sich nur wenige Lehrer für die Betreuung gemeldet haben, ist wohl auch der Kurzfristigkeit geschuldet. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir an allen Standorten genug Personal haben.

Können noch Kinder angemeldet werden?
Der Anmeldeschluss war schon. Aber wenn in einer Gruppe noch Platz ist, können sicher noch Kinder teilnehmen.

Noch eine heikle Frage: Welche Noten würden Sie Lehrern, Eltern und Schülern für ihre Leistungen in der Corona-Zeit geben?
Eine Personengruppe mit einer Note zu beurteilen, das ist wahrlich nicht einfach. Ein Gut ist es auf jeden Fall.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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