Kurioser Prozess

Trotz “Kniefall” des Opfers: 15 Jahre für Messerstecher

Österreich
01.09.2010 17:35
Zu 15 Jahren Haft ist am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht ein 39-jähriger Rumäne verurteilt worden, der am 30. März 2010 seine Freundin mit neun Messerstichen beinahe getötet hatte. Die Geschworenen sprachen ihn einstimmig des versuchten Mordes schuldig, was insofern überraschend kam, als das Opfer als Zeugin massiv zugunsten des Angeklagten ausgesagt und angekündigt hatte, sie wolle diesen heiraten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Angeklagte hatte zwar keine Arbeit, aber trotzdem ein gemütliches Leben: Seine Freundin arbeitete in einer Sauna und brachte monatlich mehrere Tausend Euro nach Hause. Damit bestritt nicht nur der Beschäftigungslose seinen Unterhalt. Der 39-Jährige überwies von den Einkünften seiner Gefährtin auch seinem ehelichen Sohn in Rumänien regelmäßig Geld.

Eifersüchtiger Angeklagter sah Opfer beim Arbeiten zu
Dessen ungeachtet fiel es ihm schwer zu akzeptieren, dass seine Freundin der Prostitution nachging. Wiederholt bat er sie, ihren Job aufzugeben und mit ihm nach Rumänien zurückzugehen. Er war äußerst eifersüchtig, begleitete die Frau oft in das Etablissement, in dem sie tätig war, sah ihr beim Arbeiten zu und brachte sie am frühen Morgen wieder nach Hause.

In der kleinen Wohnung in Hernals kam es dann regelmäßig zu Streitereien, wobei die Freundin den Mann darauf aufmerksam machte, dass er nichts zum Verdienst beitrug und sie auf ihr Geld angewiesen wären.

Angeklagter: "Ich wollte sie erschrecken"
Auch am 30. März 2010 brach ein Streit aus, als die Frau gegen 5 Uhr in der Früh Kaffee aufsetzte und frühstücken wollte. Einmal mehr verlangte der Mann einen Jobwechsel, worauf ihm seine Freundin sagte, sie wolle ihn nicht mehr aushalten und ihn zum Gehen aufforderte.

"Ich wollte, dass sie aufhört und still ist. Ich hab plötzlich ein Messer ergriffen und auf sie eingestochen. Ich wollte sie erschrecken", erklärte der Angeklagte.

Dass die 40-Jährige den Angriff überlebte, grenzt an ein Wunder. Neunmal stach ihr der Mann in Brust, Hals, Kopf. Am Ende fügte er ihr eine tiefe Schnittwunde an der Kehle zu. Dann verließ er die Wohnung. "Wie ich Blut gesehen hab', bin ich erschrocken und davongelaufen", gab er dazu zu Protokoll.

Das Opfer schleppte sich mit letzter Kraft ins Stiegenhaus und taumelte ins Freie, wo die Frau zusammenbrach. Passanten leisteten Erste Hilfe und riefen die Rettung. Eine Notoperation rettete ihr das Leben.

Opfer in ihrer Heimat wegen Diebstahls in Haft
Nun wurde sie im Rahmen einer Videokonferenz befragt: Die Frau war in ihre rumänische Heimat zurückgekehrt, nachdem sie sich von ihren schweren Verletzungen erholt hatte. Seit einigen Wochen sitzt sie in Bukarest wegen Diebstahls in Haft.

Die Einvernahme der 40-Jährigen verlief durchaus überraschend. "Ich bin an allem Schuld", sagte das Opfer. Entgegen sämtlicher bisheriger Aussagen behauptete die Frau, ihren Lebensgefährten angegriffen zu haben, woraufhin jener gleichsam in Notwehr zugestochen habe. "Er ist der Mann meines Lebens. Ich will ihn heiraten", sagte die Zeugin, die sich laut Staatsanwaltschaft sogar den Namen des jetzt Verurteilten über die Brust tätowieren ließ.
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