Memoiren verfasst

Blair rechtfertigt erneut Irak-Krieg – und kritsiert Brown

Ausland
01.09.2010 10:39
Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair rechtfertigt in seinen mit Spannung erwarteten Memoiren einmal mehr den Irak-Krieg - und übt vernichtende Kritik an seinem Nachfolger Gordon Brown. Das berichtete die britische Zeitung "The Guardian" am Mittwoch kurz vor der Veröffentlichung des Buchs mit dem Titel "A Journey".

Laut "The Guardian" räumt Blair ein, dass Großbritannien und die USA den "Alptraum" nicht vorausgesehen hätten, der sich nach der Invasion im Irak ergeben habe. Al Kaida und der Iran hätten das Land nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 destabilisiert. In einem emotionalen Kapitel behauptet Blair, viele Tränen angesichts des Verlusts der zahlreichen Menschenleben vergossen zu haben. Er bedauere "mit jeder Faser seines Seins" den Verlust der Menschenleben. "Ich kann nur hoffen, etwas von der Tragödie des Todes durch die Taten meines Lebens wieder gutzumachen".

"Kann die Entscheidung zum Krieg nicht bedauern"
Zugleich betont der frühere Regierungschef, dass die Militäraktion gerechtfertigt gewesen sei, und weigert sich, sich dafür zu entschuldigen, dass er gemeinsam mit Ex-US-Präsidenten George W. Bush in den Krieg gezogen sei. "Ich kann die Entscheidung zum Krieg nicht bedauern", schreibt Blair. Und er fügt hinzu: "Ich kann sagen, dass ich mir nie den Alptraum, der sich dargeboten hat, vorstellen konnte, und das ist auch ein Teil meiner Verantwortung. Ich kann nicht mit Worten Sorry sagen."

Über Brown: "Gordon-Problem" und "Gordon-Fluch"
Über seinen Nachfolger und langjährigen Rivalen Brown hat er wenig Schmeichelhaftes zu vermelden. Er schreibt vom "Gordon-Problem" und vom "Gordon-Fluch". "Politisches Kalkül, ja. Politisches Gefühl, nein. Analytische Intelligenz, absolut. Emotionale Intelligenz, null." Dass er sich nie dazu durchringen konnte, Brown zu feuern, rechtfertigt Blair mit dem Argument, dies hätte die Partei destabilisiert. Als Blair 2007 nach jahrelangem Zögern das Amt des Premierministers an Brown übergab, habe er gewusst, dass dies ein Fehler war. "Es war nicht weise, weil es nie funktionieren würde", schreibt Blair. "Die Partei tat mir leid."

"Intervention gegen Iran ist nicht ausgeschlossen"
Blair warnte zudem in einem Interview mit der BBC anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung seiner Memoiren vor einer möglichen atomaren Gefahr aus dem Iran. Es sei "nicht ausgeschlossen", dass eine militärische Intervention gegen den Iran nötig werden könnte.

Vorabauszüge aus dem Buch sind auf einer speziell eingerichteten Website (siehe Infobox) zu lesen. In deutscher Sprache erscheint das Werk am 6. September.

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