„Wandern in der Vertikalen“ – so bezeichnet Alpinprofi Michal Larcher vom ÖAV die boomende Sportart „Klettersteiggehen“. Allein 117 Klettersteige gibt es mittlerweile in Tirol. 85 davon vermarktet der Verein „Climbers Paradise“ unter Obmann Gerhard Gstettner. Der Begriff „Wandern“ verleitet freilich zur Annahme, das Begehen eines Steiges sei einfach wie wandern.
„Das stimmt aber nicht“, betonte am Donnerstag Michael Larcher auf einer Pressekonferenz, bei der eine Videoserie präsentiert wurde. Die steigenden Unfallzahlen geben ihm Recht. Zudem sprechen durchschnittlich sechs Tote bei Klettersteigunfällen pro Jahr in Österreich eine klare Sprache.
Viele Unfälle ließen sich jedoch leicht vermeiden. „Die zuletzt tödlich Verunglückten hatten sich alle nicht gesichert“, informierte Larcher. Freilich – selbst bei korrektem Einsatz des Klettersteigsets seien Stürze viel gefährlicher als etwa beim Seilklettern, wo das Seil den Absturz dämpft.
Selbstüberschätzung Auslöser für Notfälle
Außerdem würden mangelnde Tourenplanung, Selbstüberschätzung und nicht ausreichende Klettertechnik zu Notfällen führen. Mussten zwischen 2008 und 2013 insgesamt 345 Personen aus solchen Gründen unverletzt geborgen werden, waren es zwischen 2013 und 2018 bereits 546! Dieser Entwicklung wollen nun der ÖAV und „Climbers Paradise“ gegensteuern. Dazu wurden unter der Leitung von Thomas Wanner (ÖAV) fünf innovative Video-Tutorials umgesetzt, die in sozialen Medien des ÖAV abrufbar sind.
„Darin wird die Sportart genau vorgestellt, wir zeigen die korrekte Verwendung des Klettersteigsets, welche Ausrüstung es generell braucht, widmen uns den Aspekten der Tourenplanung und erläutern die Schwierigkeitsgrade“, erläutert Wanner. Die Lehrvideos sind gerade heuer besonders wichtig. Den Grund kennt ÖAV-Präsident Andreas Ermacora: „Wir haben bereits festgestellt, dass in der aktuellen Nach-Corona-Zeit besonders viele Menschen in den Bergen unterwegs sind.“
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