13.06.2020 06:01 |

Arm an Anschlüssen

Sonos Arc: Wie gut ist die neue Edel-Soundbar?

Der Multi-Room-Lautsprecherspezialist Sonos verkauft mit seiner Arc neuerdings eine mächtige neue, am besten mit TVs jenseits der 50 Zoll kombinierte Soundbar in Österreich. Über einen Meter lang und sechs Kilo schwer, pferchen die US-Amerikaner elf Treiber in die Lautsprecherleiste, einige zwecks Dolby-Atmos-Raumklang nach oben oder zur Seite hin ausgerichtet. Allerlei Netzwerk-Features gibt es auch - und Tücken, die damit einhergehen, wie sich im Test zeigte.

Wer eine Soundbar anschafft, wird diese an seinem TV-Gerät anschließen und probehören wollen. Was bei anderen Soundbars nach der Erstverkabelung problemlos möglich ist, klappt bei der Sonos Arc allerdings erst nach einer Einrichtungsprozedur am Android- oder iOS-Smartphone. Klar, es handelt sich um einen Netzwerklautsprecher, der mit dem Heimnetz verbunden gehört. Aber ein paar Soundbar-Basics hätten der Arc nicht geschadet.

Sonos geizt mit Anschlüssen
Anschlüsse zum Beispiel: Wo andere Soundbars über zwei oder drei HDMI-, womöglich einen Klinken- und einen optischen Toslink-Anschluss Ton annehmen, besitzt die Arc nur einen HDMI- und einen Ethernet-Port. Das bedeutet, dass Ton zwingend aus dem via HDMI-ARC bzw. über den 2017 enthüllten Nachfolgestandard HDMI-eARC mit der Soundbar verbundenen Fernseher kommen muss. Oder zur Not aus dessen optischem Toslink-Ausgang, für den ein Adapter beiliegt.

Die Anbindung über HDMI-ARC/eARC hat den Vorteil, dass die Soundbar sich automatisch einschaltet, wenn der TV sich anschaltet. Und auch Lautstärkekommandos werden von der TV-Fernbedienung akzeptiert. Für alles andere greift man zur registrierungspflichtigen Sonos-App. Die ist zum Launch der Arc in einer neuen Version (S2) erschienen, was für mehr Performance, aber auch Komplikationen sorgt. Die Arc ist nämlich nur mit der neuen S2-App kompatibel, manch älterer Sonos-Lautsprecher dagegen nicht.

Sonos-Hardware nicht mehr zwingend kompatibel
Das betrifft etwa die erste Generation des Multi-Room-Speakers Sonos Play 5, die bis 2015 produziert wurde. Wer 2014 ein Exemplar gekauft hat, kann seine neue WLAN-Soundbar nicht mit seinen alten WLAN-Boxen verbinden, keine Gruppen erstellen und nicht alles mit einer zentralen App steuern. Er kann höchstens zwei parallele Systeme betreiben - oder beim Hersteller ein zumindest rabattiertes Hardware-Upgrade bestellen.

Die meisten neueren Sonos-Lautsprecher sind mit der neuen App kompatibel. Und das proprietäre System bietet Vorteile - etwa die unkomplizierte Anbindung eines kabellosen Subwoofers und weiterer Satelliten, wodurch man aus der Soundbar schnell ein echtes Surround-System machen kann. Es ist auch ein Leichtes, in der Bedien-App Wiedergabe-Gruppen zu erstellen, den Klang der Boxen per Equalizer zu regeln oder WLAN-Lautsprecher als Wecker anzusteuern. Sogar ein Feature, bei dem ein Lautsprecher dem anderen als WLAN-Repeater dient, gibt es.

Akustische Raumvermessung nur für iPhone-User
Die einfache Anbindung der meisten Streaming-Dienste und ein gut gemachtes neues Radio-Feature seien ebenfalls lobend erwähnt. Die Wiedergabe von DLNA/UPNP-Streaming-Servern im Heimnetz klappt ebenso reibungslos wie vom Telefon. Ein interessantes Feature, bei dem das Smartphone-Mikrofon zur automatischen Raum-Optimierung der Lautsprecher genutzt wird, gibt es bislang leider nur in der iOS-Version, dafür braucht es also zwingend ein Apple-Gerät.

Sonos-Systeme können insgesamt durchaus manches, was anderen Multi-Room-Systemen fehlt. Die Kompatibilitätsprobleme zeigen aber auch, wie abhängig die Nutzer vom Hersteller und seinem Willen sind, ihr Produkt am aktuellen Software-Stand zu halten. Außerdem ist man beim Ausbau des Systems auf teure Sonos-Komponenten (oder die erschwinglicheren Ikea-Kooperationsprodukte) beschränkt. Bei offeneren Systemen wie Google Home kann man, freilich mit weniger Funktionsumfang, auch herstellerübergreifend Komponenten mit Musik bespielen und gruppieren, ist also nicht an eine oder zwei Firmen gebunden.

Klanglich von verblüffender Präzision
In unserem Test wurde die Soundbar als alleinige Spielpartnerin eines 2018 gebauten LG-TVs, der Dolby Atmos unterstützt, angebunden via HDMI-ARC getestet. Nach der Einrichtung gab die Soundbar brav den TV-Ton aus. Und zwar mit jener verblüffenden Präzision, für die der US-Hersteller auch bei seinen WLAN-Boxen bekannt ist - bei nicht optimal abgemischtem Linear-TV inklusive leisen Schmatzern und Schnaufern von TV-Sprechern, die vom TV-Lautsprecher normalerweise verschluckt werden. Gut, die hätte wohl auch niemand vermisst …

Grundsätzlich decken die elf Treiber Höhen, Mitten und auch Bässe sehr klar, ganz in der Tiefe direkt hart ab und erzeugen ein gefälliges, wenn auch ab Werk eher basslastiges Klangbild. Uns gefiel der Ton im per App aktivierbaren Nachtmodus bzw. mit Stimmverstärkung etwas besser als ab Werk, wo manche Frequenzbereiche ungewohnt präsent sind und Stimmen dadurch mitunter leise wirken. Überhaupt, Stimmen: Die werden, ebenso wie Naturgeräusche, kristallklar ausgegeben - mit leichten Vorteilen bei tiefen Männer- und bisweilen ungewohnter Höhe bei Frauenstimmen. Der gebotene Bass macht einen Subwoofer für viele obsolet: Wer seine Nachbarn mag, aktiviert den Nachtmodus, so viel Wumms hat die Soundbar. Insgesamt also eine erhebliche Aufwertung des eher kümmerlichen Klangs, den die immer flacheren Fernseher heute liefern.

Fein abgestimmt, aber Raumklang braucht Satelliten
Beim Raumklang schafft die Soundbar, abhängig vom Eingangsmaterial, durchaus eine über das TV-Gerät hinausgehende Klangbühne. Echten Surround-Sound liefert sie allein aber nicht, dafür bräuchte es dann doch zusätzliche Boxen hinter dem Hörer. Im Test mit Netflix-Content mit Dolby-Atmos-Tonspur zeigte sich dennoch ein fein abgestimmter Klang, der ein etwas besseres Gefühl für Position und Entfernung einer Geräuschquelle liefert und perfekt abgemischt aus der Soundbar kommt. Für unsere Ohren aber letztlich nicht wahrnehmbar wohlklingender als das auch schon kristallklare Dolby Digital, das deutlich verbreiteter als das neue objektbasierte Atmos ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Soundbars macht die Sonos Arc auch bei der Musikwiedergabe eine ziemlich gute Figur. Für unseren Geschmack ab Werk zu basslastig und durch die in alle Richtungen abstrahlenden Lautsprecher diffuser und weniger voluminös als eine Kompaktanlage. Aber mit auch bei Musik präziser Darstellung der Mitten, ausdifferenzierten, harten Bässen und gefälligen, ganz oben mit der ab Werk aktivierten „Loudness“-Einstellung etwas schrillen Höhen. Mit dem Equalizer etwas nachgebessert, kann die Arc für manche User sicher auch als Ersatz für eine Kompaktanlage dienen.

Dolby Atmos klappt nicht in jeder Kombination
Wie schon erwähnt, ist man bei der Sonos Arc dem vom TV-Gerät ausgegebenen Ton ausgeliefert. Wer seinen Verstärker, Receiver, Blu-Ray-Player oder seine Spielkonsole mit der Soundbar verbinden möchte, kann dies nicht direkt, sondern nur mit Umweg über den TV machen. Und ist der etwas älter und setzt noch auf das alte HDMI-ARC statt eARC, berichten manche Nutzer über Probleme bei der Dolby-Atmos-Ausgabe, durchgeschleift via HDMI-ARC vom Blu-Ray-Player. Hier liefert nur eARC Atmos-Klang.

Nachdem es HDMI-eARC erst seit drei Jahren gibt und die meisten Österreicher ihre TV-Geräte nicht alle drei Jahre tauschen, ist die Chance also groß, dass der Partner-TV der Sonos Arc im Durchschnittswohnzimmer im Blu-Ray-Betrieb nicht zu verlustfreier Dolby-Atmos-Glückseligkeit befähigt ist - und die Soundbar somit auch nicht. Bei Streaming-Diensten mit geringerer Audio-Bitrate als bei Blu-Rays ist man indes meist auch mit dem älteren ARC auf der sicheren Seite. Dolby-Digital-Tonspuren bekommt man in jedem Fall mit beiden Standards und auch über die Toslink-Schnittstelle mit weniger Bandbreite in die Soundbar.

Saubere Verarbeitung, abschaltbare Sprachsteuerung
Die unaufdringlich designte, rundliche Arc ist wertig und sauber verarbeitet, zeigt den Betrieb mit Status-LEDs hinter der Lautsprecherabdeckung an und wird primär per App gesteuert. Für die Lautstärke gibt es auch Touch-Tasten direkt an der Soundbar, Sprachsteuerung per Google Assistant oder Amazon Alexa ist auch inkludiert. Damit die gut funktioniert, lauschen mehrere abschaltbare Fernfeld-Mikrofone aus der Soundbar in Richtung Nutzer, die auch bei Tonwiedergabe recht zuverlässig auf Aktivierungswörter reagieren.

Fazit: Wer ein Sonos-System hat, das mit der neuen S2-App kompatibel ist, erhält mit der Arc eine klanglich präzise und sowohl bei Film als auch Musik wohlklingende Ergänzung fürs Wohnzimmer, aus der bei Bedarf schnell ein Surround-System entsteht. Das proprietäre Sonos-System ist durchaus benutzerfreundlich und reich an Funktionen, die Kundschaft dem Hersteller aber auch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, wie sich im Zuge des App-Updates nun zeigte. Die Anschluss-Armut könnte Heimkino-Fans auch abschrecken, zumal es in dem Preissegment genug Rivalen gibt, die guten Klang, Netzwerk-Features und mehrere Anschlüsse unter einen Hut bringen. Wer auf Multi-Room verzichten kann, wird mit denen glücklicher.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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