29.05.2020 23:47 |

Tod von George Floyd

Polizist in Minneapolis wegen Mordes angeklagt

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in der US-Großstadt Minneapolis ist einer der an dem brutalen Einsatz beteiligten und inzwischen entlassenen Polizisten - jener, der minutenlang auf dem Nacken des 46-Jährigen gekniet hatte (siehe auch Video oben) - wegen Mordes angeklagt worden. Aufgrund der anhaltenden Unruhen wegen des über die Grenzen der USA hinaus für Bestürzung sorgenden Falles sei dies in Rekordzeit geschehen, erklärte der zuständige Staatsanwalt. In der Stadt wurde eine nächtliche Ausgangssperre ausgerufen.

Alle notwendigen Beweise lägen vor, der Polizist sei festgenommen und werde wegen Mordes und Totschlags angeklagt, sagte der zuständige Bezirksstaatsanwalt Mike Freeman am Freitag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Fälle der anderen drei beteiligten Polizisten würden noch untersucht.

Floyd flehte wiederholt um Hilfe: „Ich kann nicht atmen“
Der weiße Beamte hatte sein Knie mehrere Minuten lang an den Hals des 46-Jährigen gedrückt, der wiederholt um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte der Mann: „Ich kann nicht atmen.“ Er wurde bei seiner Einlieferung in einem nahe gelegenen Krankenhaus für tot erklärt. Von den Szenen der Festnahme gibt es ein rund zehn Minuten langes Video, das sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien verbreitete und Wut und Empörung auslöste.

Anklage in Rekordzeit
So schnell habe seine Behörde in einem vergleichbaren Fall noch nie eine Anklage erhoben, normalerweise dauere das mehrere Monate, sagte Freeman. Er räumte ein, dass die Proteste in der Großstadt im US-Bundesstaat Minnesota, die sich an der Polizeigewalt gegen den schwarzen Verdächtigen Floyd entzündet hatten, dabei eine Rolle gespielt hätten. „Ich bin nicht unempfindlich dem gegenüber, was auf den Straßen passiert.“

Geschäfte geplündert und angezündet
Die vier an dem Einsatz beteiligten Polizisten waren umgehend nach Bekanntwerden der Vorwürfe entlassen worden. Sie waren zunächst aber weder festgenommen noch angeklagt worden, was zu schweren Ausschreitungen führte. Geschäfte gingen in Flammen auf, es kam zu Plünderungen. Demonstranten drangen in der Nacht auf Freitag auch in eine Polizeistation der Stadt ein und legten dort Brände. Die Polizei setzte Tränengas gegen Demonstranten ein.

Video: Polizeistation gestürmt und Brände gelegt

Gouverneur drängt auf rasche Aufklärung
Minnesotas Gouverneur Tim Walz sicherte am Freitag bei einer emotionalen Pressekonferenz zu, dass die Justiz das Vorgehen der Beteiligten schnell untersuchen werde. Der Gouverneur teilte das Entsetzen über den Vorfall. „Das Kapitel, das diese Woche geschrieben wurde, ist eines unserer dunkelsten Kapitel“, sagte er. Walz rief Demonstranten eindringlich zum Gewaltverzicht auf.

In den kommenden Nächten gilt Ausgangssperre
In Minneapolis gilt inzwischen eine nächtliche Ausgangssperre. In der Proklamation von Bürgermeister Jacob Frey hieß es, die Ausgangssperre beginne am Wochenende jeweils um 20 Uhr und ende um 6 Uhr Ortszeit. So sollen mögliche weitere Unruhen verhindert werden. Ein Verstoß kann mit einer Geldstrafe von bis zu 1000 Dollar (rund 900 Euro) oder Haft von bis zu 90 Tagen bestraft werden.

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