18.05.2020 07:15 |

Riesige Umsatzverluste

Corona-Krise ließ Luft aus Reifen der Reisebusse

Die Fuhrparks der heimischen Busunternehmen stehen seit Mitte März still. Riesige Umsatzverluste werden daher befürchtet. Nun hofft die Branche auf eine baldige Reisefreiheit. Doch die Zukunft birgt noch viele Fragezeichen.

Alle Busse stehen in der Garage, keine Urlauber sind in Sicht: Die Corona-Krise trifft nicht nur Reisebüros, Hotels und Pensionen, sondern vor allem auch den Bustourismus hart. Die etwa 800 Reisebusunternehmen mit 5500 Mitarbeitern, die es in Österreich gibt, beklagen einen fast hundertprozentigen Umsatzverlust. Fuhrparks stehen seit Mitte März still.

Alle Reisen abgesagt
So auch die 20 Busse von „Lüftner Reisen“ mit Sitz in Rum. „Die Auswirkungen auf unser Unternehmen sind dramatisch“, klagen Christof und Lukas Lüftner. „Von uns veranstaltete und ausgebuchte Reisen mussten wir stornieren, alle Reservierungen wurden abgesagt.“ Eine der erfolgreichsten Saisonen, die auch mit den alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspielen in Oberammergau in Zusammenhang standen, wurde zunichte gemacht. „Die von den einheimischen Kunden geleisteten Vorauszahlungen für zwischenzeitlich abgesagte Reisen wurden von uns zur Gänze rückerstattet“, erklären die beiden Firmenchefs, die in diesem Jahr mit einem Umsatzverlust von rund 6 Millionen Euro rechnen. Dennoch will man an den Mitarbeitern festhalten. „Unser erklärtes Ziel war es stets, niemanden zu kündigen.“ Mit dem Personal im Büro und den Fahrern wurde Kurzarbeit vereinbart.

Nur noch drei Busfahrer
Fast noch härter traf es das „Paznauntaler Verkehrsunternehmen“ mit Sitz in Kappl. Nachdem das ganze Tal unter Quarantäne gestellt wurde und sämtliche Skibusse, Flughafentransfers sowie andere Fahrten gestrichen werden mussten, konnte Firmenchef Wilhelm Siegele von 25 Fahrern nur noch drei beschäftigen. „Da natürlich auch wir alle organisierten und bestellten Busfahrten absagen mussten, stehen acht Reisebusse still. Diese werden wohl auch noch über längere Zeit nicht zum Einsatz kommen“, fürchtet der Paznauntaler.

Keinerlei Unterstützung
Die geplante Lockerung bzw. Aufhebung der Reisebeschränkungen mit 15. Juni sei zwar eine große Erleichterung für die Branche, Siegele rechnet aber erst nach weiteren Wochen mit der Inbetriebnahme der Reisebusse. „Der öffentliche Nahverkehr im Paznaun wird mit Ende Juni wieder in den Regelbetrieb gehen und wir können dann wieder mehr Lenker beschäftigen“, freut sich der Busunternehmer, der derzeit noch nicht weiß, wie er die finanziellen Verluste „stemmen“ wird.

Bisher kaum Unterstützung
„Unterstützungen für unser Unternehmen hat es bis heute – außer der Kurzarbeit – keine gegeben“, bemängelt Siegele, der nun aber auf eine gute Sommersaison hofft. „Wir wollen vor allem im öffentlichen Verkehr intensiv auf die Wünsche der Einheimischen und Gäste im Tal eingehen und ihnen sorglose und sichere Busfahrten anbieten.“ Wann sein Unternehmen speziell wieder die vielen japanischen und französischen Urlauber transportieren können wird, wird sich weisen. „Wir sind schon mit einigen Krisen konfrontiert gewesen und werden auch die jetzige als Chance nutzen“, schwört sich Siegele.

Für Zukunft optimistisch
Und auch die Lüftners, die nach dem derzeitigen Stand nicht damit rechnen, dass ihre Reisebusse vor Ende August oder Anfang September rollen werden, blicken vor allem auch dank der Loyalität ihres Teams mit Zuversicht in die Zukunft. „Wir planen derzeit schon unsere ,Reiseträume’ mit Rund-, Festspiel-, Rad- und Wanderreisen sowie Tagesfahrten und Tageswanderungen für die zweite Jahreshälfte und für das Jahr 2021.“

Samuel Thurner
Samuel Thurner
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