30.03.2020 17:04 |

„Weggesperrt“

Coronavirus: In Gefängnissen des Landes gärt es

In den heimischen Gefängnissen gärt es, nachdem zur Verhinderung der Verbreitung von SARS-CoV-2 eine Reihe von Maßnahmen in Kraft getreten sind, die für die Insassen schwer hinnehmbar waren. Besuche von Angehörigen wurden ebenso gestrichen wie Aus- und Freigänge, zuletzt wurden Werkstätten geschlossen und die täglichen Hofspaziergänge abgesagt bzw. limitiert. Die Häftlinge wären „praktisch rund um die Uhr weggesperrt“, wie ein Mitarbeiter einer Justizanstalt anonym der APA anvertraute.

Nach weiteren, darüber hinausreichenden Einschränkungen in der Justizanstalt (JA) Wien-Josefstadt - mit 1057 Haftplätzen das größte Gefängnis des Landes - beschreiben Strafverteidiger und selbst Justizwachebeamte die Stimmung unter den Häftlingen als explosiv. „Es ist wie bei einem Kelomat. Wir hoffen, dass der Druckdeckel auf dem Topf hält“, meinte ein Beamter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Montag in einem Telefonat mit der APA.

Telefonate auf zehn Minuten pro Tag beschränkt
Justizministerin Alma Zadic (Grüne) hatte vor zwei Wochen erklärt, Häftlinge sollten auf Telefonate und Videotelefonie ausweichen, um auf diesem Weg den Kontakt mit ihren Angehörigen aufrechtzuerhalten. In der JA Josefstadt wurden jedoch vor Kurzem die erlaubten Telefonate, die über eigene Apparate geführt werden müssen, auf zehn Minuten pro Tag beschränkt.

Auf Abteilungen, in denen als nicht gefährlich eingestufte Häftlinge bisher einen gewissen Bewegungsradius hatten, wurden Aufenthalte bzw. ein Verweilen am Gang untersagt. Die Insassen müssen in ihren Zellen bleiben, wenn sie nicht gerade am Weg zum Duschen oder zum Telefonieren sind. Wechselseitige Zellenbesuche sind nicht mehr erlaubt.

„Weiß nicht, wie lange wir diesen Zustand durchsetzen können“
Das Duschen ist „so kurz wie möglich“ zu halten, heißt es in einer Anweisung, wobei sich nur mehr höchstens vier Personen gleichzeitig im Nasszellenbereich aufhalten dürfen. Nach dem Abtrocknen ist unverzüglich in den Haftraum zurückzukehren. „Ich weiß nicht, wie lange wir diesen Zustand durchsetzen können, ohne dass es scheppert“, wandte sich ein weiterer Justizwachebeamter an die APA.

Aus einer kleineren JA in Ostösterreich - der Informant ersuchte die APA, sie nicht zu nennen, um von seinen Vorgesetzten nicht erkannt zu werden - wurden am Montag ähnliche Bedingungen beschrieben. Die Häftlinge wären „praktisch rund um die Uhr weggesperrt“.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 04. Juli 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.