Freigang zum Töten

Gefängnisdirektorin setzte Insassen für Auftragsmorde ein

Ausland
26.07.2010 14:42
Im mexikanischen Drogenkrieg mischen offenbar auch Beamte mit: Eine mexikanische Gefängnisdirektorin hat Insassen ihrer Anstalt mit Pistolen ihrer Wärter bewaffnet und als Auftragsmörder für die Drogenmafia eingesetzt, wie Ermittlungen jetzt ergeben haben. Laut der Generalstaatsanwaltschaft des lateinamerikanischen Landes töteten die Häftlinge seit Februar wahrscheinlich 35 Menschen bei ihren Freigängen.

"Die Täter sind eine Gruppe von Gefangenen des Gomez-Palacios-Rehabilitationszentrums, die aus dem Gefängnis gelassen wurden, um mit den Waffen der Wärter diese Hinrichtungen auszuführen", sagte Staatsanwaltschaft-Sprecher Ricardo Najera. Dabei fuhren sie mit Dienstfahrzeugen und benutzten Waffen der Wärter.

Das Gomez-Palacios-Gefängnis ist berüchtigt für gewalttätige Ausschreitungen unter den Häftlingen, im Vorjahr gab es bei Kämpfen zwischen Insassen 19 Tote. Erst mithilfe von Spezialeinheiten konnte die Situation in der Anstalt beruhigt werden. 

Diese Vorgehensweise soll bei drei Überfällen in Torreon, einer Industriestadt im nördlichen Bundesstaat Durango, angewendet worden sein: Im Februar waren dort zehn Menschen, im Mai 15 Besucher einer Bar und im Juli 17 Teilnehmer einer Feier erschossen worden. Die Spur zum Gefängnis Gomez Palacios fanden die Ermittler durch Munition an den Tatorten, die aus vier Waffen von Gefängniswärtern abgefeuert worden war. Vier Personen des Gefängnispersonals seien unter Hausarrest gestellt worden.

Drogenkrieg kostete schon 25.000 Menschen das Leben
Die mexikanische Bundespolizei meldete unterdessen die Festnahme eines Führungsmitglieds der Drogenbande La Linea, die unter anderem für einen Autobombenanschlag in der Stadt Ciudad Juarez am 15. Juli verantwortlich gemacht wird. Bei dem Festgenommenen handle es sich um den Kassenwart der Gang, Luis Vazquez Barragan.

In den Auseinandersetzungen zwischen mexikanischen Drogenbanden sind in den vergangenen vier Jahren mehr als 25.000 Menschen ums Leben gekommen. Erst am Samstag wurde bei der Stadt Monterrey ein neues Massengrab mit mindestens 51 Toten entdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass die meisten Opfer in den vergangenen zwei Wochen ums Leben kam. Einige hätten Schusswunden, andere seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

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