05.04.2020 05:05 |

Ganz schön vollwertig!

Hyundai i10: Wie wenig Auto braucht der Mensch?

Kleinstwagen sind eine aussterbende Art, weil sie zu viel Sprit brauchen, dementsprechend zu viel CO2 ausstoßen und dadurch den Herstellern die CO2-Bilanz verhageln. Klingt unsinnig? Ja. Ist aber so. Offiziell. 2,5-Tonnen-SUVs mit Elektromotor blasen kein Kohlendioxid in die Luft, also jedenfalls theoretisch. Unter uns gesagt: Der Hyundai i10 ist eines der wenigen Autos, die im Test weniger als den Normverbrauch konsumiert haben. Und auch sonst ist er echt empfehlenswert.

Nein, wir vergleichen den Winzling nicht mit einem vier oder fünf Klassen darüber positionierten Oberklasse-Fahrzeug, wollen aber den fragwürdigen Zugang des Gesetzgebers zu diesem Thema aufzeigen. Um das Geld, das für so ein Spucki verlangt werden kann, geht sich Hightech-Zeug nicht aus, das man bräuchte, um unter aktuelle und zukünftige Grenzwerte für den Flottenverbrauch bzw. -ausstoß zu kommen. Und Elektroautos werden sogar doppelt angerechnet. Also bieten z.B. Seat und Skoda ihre Miniminis nur noch elektrisch an. Um rund 20.000 Euro. Viel Geld.

Nach dieser Vorrede nun also zum Hauptfilm.

Als wäre er innen größer als außen
Der Hyundai i10 holt aus einem Minimum ein Maximum heraus. Mit 3,67 Meter Länge und 9,8 Meter Wendekreis ist er der König unter den Parkplatzsuchern bzw. -findern, aber trotzdem ein ziemlich vollwertiges Auto: Vier Erwachsene passen in den Viertürer locker hinein, auch wenn sie weder klein gewachsen noch Yogis sind. Und fürs Gepäck bleiben 252 Liter. Einer mehr als im VW up!. Oops …

Zugegeben, es ist für den Fahrer nicht leicht, eine optimale Sitzposition zu finden. Das liegt aber nicht daran, dass das Auto zu klein ist, sondern an den eingeschränkten Verstellmöglichkeiten des Lenkrades. Das geht nur vertikal, herausziehen lässt es sich nicht. So sitze ich mit meinen 1,88 m immer leicht gequält. Beim Probesitzen im Stand fällt das noch gar nicht so auf, also unbedingt Probe fahren!

Dafür kommt man mit dem Basismotor überraschend gut zurecht. Natürlich ist ein 67 PS starker Einliter-Dreizylinder-Sauger kein temperamentvoller Leisetreter, aber dank nur 977 Kilogramm Eigengewicht geht sich das schon aus, wenn man das saubere manuelle Fünfganggetriebe zügig bedient. Das Datenblatt nennt lahme 14,8 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und ein Höchsttempo von 156 km/h, aber im Stadtverkehr fühle ich mich nicht wirklich untermotorisiert. Wer mehr braucht, kann den 1,2-Liter-Vierzylinder ordern oder auf die N-Version mit 100-PS-Turbo warten. Nur für sehr geduldige Menschen ist das automatisierte Fünfganggetriebe geeignet - es kostet von 0 auf 100 km/h drei Sekunden.

Als WLTP-Verbrauch gibt Hyundai 5,0 bis 5,6 l/100 km an (CO2 114 bis 126 g/km). Im Test bin ich auf 4,9 Liter gekommen, also sogar ein Zehntel weniger als die günstigste WLTP-Annahme. Da kann man mit dem kleinen 36-Liter-Tank gut auskommen.

Auch das Fahrwerk geht in Ordnung, solange die Straße nicht zu holprig wird. Lenkung, Federung, das passt schon. Gebremst wird nur in den beiden oberen Ausstattungsvarianten rundum mit Scheibenbremsen, sonst sind hinten Trommeln verbaut.

Weder Klima noch Radio in der Basis
Der Testwagen um 16.340 Euro verwöhnt mit guter Ausstattung im nicht weiß-Gott-wie-hochwertigen, aber sehr aufgeräumten und gut verarbeiteten Innenraum. Tempomat, Autonotbremse, aktiver Spurhalter und Lichtsensor sind sogar Teil der Basisausstattung. Hier auf Level 3, der zweithöchsten Ausstattungsvariante, finden sich auch ein Achtzoll-Touchscreen mit DAB-Radio und Android Auto/Apple CarPlay oder auch eine Rückfahrkamera, Sitze, Lenkrad und Außenspiegel sind beheizbar. Die Klimaanlage ist manuell, für die Klimaautomatik braucht man die Topausstattung, zu der dann auch noch Smartkey oder elektrische Fensterheber hinten gehören. Und eine Armlehne für den Fahrer, die sonst nicht zu bekommen ist.

Im Basismodell um 11.490 Euro fehlen Dinge wie Klimaanlage, Radio oder elektrisch einstellbare Außenspiegel völlig, Radio und Klima lassen sich für 1300 Euro Aufpreis extra bestellen. Ein Navigations- samt Bluelink- Telematiksystem ist nur auf Level 4 erhältlich und kostet einen Tausender.

Top in der Stadt ist eine höfliche Geste des Hyundai i10: Wenn man im Ampelstau aufs Handy schaut statt nach vorne, freut man sich, dass er einen darauf aufmerksam macht, dass der Vordermann weiterfährt.

Unterm Strich
Klar, für Langstrecken ist der i10 also genauso wenig geeignet wie handelsübliche Stadt-Stromer, nur eben aus anderen Gründen. Aber in der Stadt hat man mit ihm seine Freude. Billig ist er allerdings nicht, unter Level 2 um 13.490 Euro braucht man nicht anfangen. Ums kleine Geld fehlt essentielle Ausstattung. Aber er wirkt ja auch nicht billig mit seinem frischen, spritzigen Design. Und zu den Günstigsten am Markt zählt er trotzdem. Zu den Kleinsten sowieso. Es wäre schade, wenn es so etwas auf lange Sicht nicht mehr gäbe.

Warum?
Viel Platz auf kleinem Raum
Real sparsam

Warum nicht?
In der Basisausstattung fehlt Essentielles

Oder vielleicht …
… Mitsubishi Space Star, Renault Twingo, Kia Picanto, Fiat 500, Citroen C1, Peugeot 108, Toyota Aygo, VW up!

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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