11.07.2010 09:14 |

"Hut" für Leck

BP startet neuen Versuch im Kampf gegen Ölpest

Zweieinhalb Monate nach Beginn der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko hat der britische Ölkonzern BP am Samstag einen neuen Versuch gestartet, den anhaltenden Ölstrom ins Wasser endlich zu stoppen. Mit Hilfe eines Zylinders soll das gesamte an einer zerstörten Steigleitung austretende Öl aufgefangen werden, damit Schiffe es dann komplett aus dem "Hut" aufsagen können. Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte das Leck schon Montagmittag gestopft sein.

Als ersten Schritt entfernten Techniker dafür mit Hilfe von Robotern die bisherige Kappe. Sie saß seit Anfang Juni auf dem "Blowout Preventer", einem riesigen Ventilsystem über dem Hauptbohrloch - aber so lose, dass nur ein Teil des austretenden Öls damit abgefangen werden konnte.

Ölleck schon am Montag gestopft?
Dieser Deckel soll nun möglichst bis Montagmittag durch einen neuen fest versiegelten "Hut" ersetzt werden. BP hofft, dass damit der gesamte schmutzige Strom ins Wasser gestoppt und das Öl über mehrere Leitungen auf Schiffe an der Wasseroberfläche geleitet werden kann. Wenn alles hundertprozentig nach Plan verlaufe, könne es bereits am Montag oder Dienstag so weit sein, sagte Chuck Wolf von der Einsatzleitung in New Orleans, Louisiana. "Wir sind vorsichtig optimistisch."

Tatsächlich steht BP beim Auswechseln der Deckel unter größtem Zeitdruck. Denn nach dem Entfernen der alten Kappe fließt das Öl nun erst einmal wieder ungebremst ins Wasser. Aus dem Zylinder waren in den vergangenen Wochen täglich gut 2.000 Tonnen des austretenden Öls - nach Schätzungen insgesamt 8.200 Tonnen am Tag - auf ein Schiff gepumpt worden.

Komplizierte Reparatur
Die Montage des neuen Deckels ist aber weitaus komplizierter als das Entfernen des alten. So müssen Roboter zunächst einen Rohrstumpen mit zackigen Enden abschrauben, der aus dem "Blowout Preventer" ragt und bislang verhinderte, dass der bisherige "Hut" fest genug saß. Sollte es aber mit dem Aufstülpen des neuen Zylinders nicht klappen, will BP nach bisherigen Plänen auf die alte Bedeckung zurückgreifen. Sie wurde daher in der Nähe des "Blowout Preventer" geparkt.

Neues Schiff soll täglich über 3.400 Tonnen Öl abpumpen
BP will auch möglichst ab Sonntag ein drittes Schiff zum Absaugen des Öls aus dem Leck einsetzen. Der "Helix Producer" soll aus dem "Blowout Preventer" allein täglich mehr als 3.400 Tonnen Öl "aufschlürfen". Zusammen sollen die Aufsaugkapazitäten am Ende deutlich größer sein als die Menge Öl, die nach schlimmsten Vermutungen pro Tag austritt.

Plan B läuft weiter
Zugleich bohrt BP aber weiter zwei Nebenzugänge zum Hauptbohrloch im Meeresboden. Dem US-Sonderbeauftragten Thad Allen zufolge kommen die Bohrungen schneller voran als geplant, sie könnten bereits Ende Juli fertig sein. Allerdings ist das in 5.500 Metern Tiefe gelegene Ziel, durch welches dann Schlamm und Zement gepumpt werden sollen, um die Quelle endgültig zu versiegeln, nur etwa tellergroß.

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