26.01.2020 13:30 |

Thema des Tages

Eltern und Kinder in der Armutsfalle

Vorarlberg soll für Kinder das „chancenreichste“ Bundesland Österreichs werden. Wenn aber die Eltern schon an der Armutsgrenze kratzen, gerät auch der Nachwuchs oft in einen Teufelskreis.

Draußen ist es bitterkalt. Da ist man froh, wenn man sich im warmen Wohnzimmer unter die Decke kuscheln kann. Es gibt jedoch tausende Vorarlberger, die ihre Heizung abdrehen müssen, weil das Geld knapp wird. Wenn die Waschmaschine streikt, ist der finanzielle Burnout da. In Vorarlberg gibt es rund 87.000 Menschen, denen es so geht - das ist beinahe ein Viertel der Gesamtbevölkerung. 71.000 Menschen sind laut aktuellem Armutsbericht sogar akut armutsgefährdet. Besonders schlimm ist, dass 1.900 davon Kinder sind.

Armutsgefährdet zu sein bedeutet, mit weniger als 1.280 Euro auskommen zu müssen. Armutsgefährdete Familien mit drei Kindern haben weniger als 3.072 Euro zur Verfügung. Es sind aber nicht etwa nur Personen betroffen, die keine Arbeit haben. Von den vielen tausend armutsgefährdeten Menschen bezogen 2018 „nur“ 13.180 Vorarlberger Mindestsicherung. „Es geht um deutlich mehr Menschen, und denen kann nicht vorgeworfen werden, sich in einer sozialen Hängematte auszuruhen“, betonte Michael Diettrich von der Armutskonferenz, der beim ÖGB-Neujahrsempfang mit anderen Experten zur aktuellen Situation in Vorarlberg referierte. Es geht um „Working Poor“ - also Menschen, die trotz Arbeit ihre Existenz nicht sichern können. Diettrich ärgert sich darüber, dass Arbeitslosen ständig unterstellt werde, dass sie nicht arbeiten wollen. „Für mich hat Arbeitslosigkeit mit fehlenden Jobs zu tun.“ Und tatsächlich standen mit Ende Dezember in Vorarlberg knapp 12.000 Arbeitssuchenden nur rund 2.600 offene Stellen gegenüber.

Weibliche Armut

„Armut ist oft dort zu finden, wo sie nicht erwartet wird“, weiß auch Ifs-Geschäftsführerin Martina Gasser. Die Ifs-Schuldenberatung berät jedes Jahr rund 3.200 Menschen. „Viele kommen aus Scham aber erst gar nicht zu uns.“ Den Klienten würden vor allem die stetig steigenden Wohnpreise und die hohen Lebenshaltungskosten Probleme bereiten. „Armut ist vor allem auch weiblich“, betonte Lea Putz-Erath von der Frauenberatungsstelle Femail. Alleinerzieherinnen sind besonders bedroht, denn sie arbeiten meist nur Teilzeit. Dadurch erreichen sie auch nicht die nötigen Pensionsversicherungszeiten und bekommen im Schnitt um 43 Prozent weniger Pension als Männer.

Altersarmut ist ein weiteres großes Problem. Ältere Personen tun sich heutzutage schwer am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen und hat mittlerweile einen Jahresschnitt von rund 2000 Personen erreicht. Mit über 42 Prozent sind der Großteil davon über 50-Jährige. Für AMS-Landeschef Bernhard Bereuter braucht es für diese Personengruppe einen stabilen zweiten Arbeitsmarkt. „Es geht um Erwerbseinkommen, Anerkennung und um Teilhabe an der Gesellschaft.“ ÖGB-Landeschef Reinhard Stemmer forderte: „Eine Joboffensive, mehr Kinderbetreuungsplätze, mehr Lohngerechtigkeit, höhere Mindesteinkommen und eine bessere Verteilung von Arbeit.“ Die Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch. Es liegt an der Politik, die richtigen Maßnahmen zu setzen.

Philipp Vondrak

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