Russland tobt

Putin: “USA stecken einfach Leute ins Gefängnis”

Ausland
29.06.2010 21:35
Nach der Festnahme von elf mutmaßlichen russischen Spionen in den USA und auf Zypern hat der russische Regierungschef Wladimir Putin das Verhalten der US-Behörden scharf kritisiert. Die US-Bundespolizei FBI habe sich "gehen lassen", schimpfte Putin bei einem Treffen mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton nahe Moskau. "Die stecken einfach Leute ins Gefängnis." Putin schloss einen Rückschlag im zuletzt positiven Verhältnis nicht aus.

Zum Glück gebe es aber viele Menschen wie Clinton, denen gute russisch-amerikanische Beziehungen viel wert seien, sagte der Ex-Präsident und frühere Geheimdienstler Putin am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax.

"Im Geiste des Kalten Krieges"
Bereits zuvor hatte das russische Außenministerium von einem Rückfall in den Kalten Krieg gesprochen."Wir verstehen nicht, welche Gründe das US-Justizministerium dazu bewogen haben, eine öffentliche Erklärung im Geiste von Spionagegeschichten aus dem Kalten Krieg herauszugeben", hieß es in einer Erklärung. Russlands Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich am Rande eines Besuchs in Jerusalem außerdem verärgert darüber, dass die US-Regierung die Festnahme wenige Tage nach dem Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Washington bekannt gab. Der Zeitpunkt sei "mit besonderer Eleganz gewählt", erklärte Lawrow ironisch.

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte am Mittwoch, dass US-Präsident Barack Obama beim Treffen mit Medwedew bereits von dem russischen Agentenring gewusst habe. Die beiden Staatsoberhäupter hätten aber nicht über den Fall gesprochen. Zudem gingen die USA davon aus, dass die Festnahme der mutmaßlichen Spione die Beziehungen zu Russland nicht beeinträchtigen würden.

Wie in einem Spionageroman
Ein Blick in die Ermittlungsakten der elf Verdächtigen erinnert an Spionageromane aus Zeiten des Kalten Krieges: So soll der am Dienstag in Zypern festgenommene Agent Geld in einem Feld nördlich von New York vergraben haben, das seine Kollegen erst zwei Jahre später wieder ausbuddelten. US-Ermittler waren dem Geldbeschaffer bei seiner Fahrt auf das Feld gefolgt und installierten vor Ort eine Kamera, die dann die Ausgrabung des in einer Bierflasche versteckten Geldes aufzeichnete (mehr Infos findest du in der Infobox!).

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