05.01.2020 09:00 |

Verletzungsrisiko hoch

Arzt-Appell: Rodelspaß niemals ohne Helm starten!

Eine Häufung von Rodelunfällen um die Jahreswende stellte Unfallchirurg Dr. Matthias Haselbacher von der Uniklinik Innsbruck fest. Er rät dringend, nur mit Helm auf eine Rodel zu steigend! Sonst könnte die Gaudi zum Albtraum werden und im Krankenhaus enden.

Zehn Rodelunfälle verzeichnete die Leitstelle Tirol am 1., 2. und 3. Jänner des neuen Jahres. Allein die Bergrettung Kufstein musste am Neujahrstag zwei verletzte Rodler auf der Bahn von der Kalaalm versorgen. „An diesen Tagen sind einfach mehr Sportler unterwegs“, sucht Unfallchirurg Matthias Haselbacher nach einer Erklärung für die Kumulierung. Nach seinen Erfahrungen werden die unteren Extremitäten wie Sprunggelenk und Unterschenkel am häufigsten in Mitleidenschaft gezogen, wenn eine Schlittenfahrt abrupt mit einem Sturz endet. „Wir haben viele Patienten, die mit dem Fuß irgendwo hängen geblieben oder gegen einen Zaunpfosten gefahren sind“, weiß Haselbacher. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit breche dann der Unterschenkel. Das Tragen von schweren Bergschuhen würde einen gewissen Schutz bieten – in erster Linie für die Sprunggelenke.

„Sehr schmerzhafte Verletzungen“
Wenn die Rodelbahnen hart oder gar eisig sind, stünden Steißbeinverletzungen an der Tagesordnung. „Der Bruch des Steißbeins passiert leicht bei Stürzen vom Schlitten auf den harten Untergrund“, sagt Haselbacher. „Zwar keine gefährliche Verletzung, aber eine sehr schmerzhafte“, ergänzt er.

Arzt würde nie ohne Helm auf eine Rodel steigen
Stichwort „gefährlich“: Sobald der Kopf bei einem Unfall betroffen ist, herrscht höchste Gefahr. „Die Schwere einer Kopfverletzung hängt stark davon ab, ob der Verunglückte einen Helm getragen hat oder nicht.“ Es würden inzwischen zwar mehr Rodler auf den Helm setzen, jedoch leider nicht alle. „Ich selbst würde nie ohne Helm auf eine Rodel steigen“, sagt der Unfallchirurg.

Nachts dauert Rettungskette länger
Rodelunfälle passieren eher abends, generell „erwischt“ es meist Erwachsene. Beim Nachtrodeln funktioniert die Rettungskette allerdings nicht gleich rasch wie untertags. Klar: Nur selten kann der Hubschrauber bei Dunkelheit fliegen.Meist ist außerdem zuvor schon Alkohol geflossen. „Bei Patienten mit Verdacht auf Kopfverletzung, die nicht mehr klar sprechen, machen wir stets einen Alkotest, um eine Alkoholisierung als Ursache auszuschließen“, sagt der Unfallchirurg.

Das Ergebnis würde jedoch nicht an die Behörden weitergegeben. Die Bergbahnen Sölden tragen laut Haselbacher dem Umstand Rechnung, dass die Rettungszeiten in der Nacht länger sind: „Sie leisten sich beim Nachtrodeln die Anwesenheit eines Notarztes.“ Laut Leitstelle Tirol gab es im Winter 2016/2017 insgesamt 87 Einsätze aufgrund von Rodelunfällen, im Winter darauf stieg die Zahl deutlich auf 101 an. 2018/2019 sank sie wieder auf 74.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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