Zahlreiche Probleme

Afghanistan-Einsatz laut CIA schwieriger als geplant

Ausland
28.06.2010 09:16
Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, Leon Panetta, hat Schwierigkeiten beim internationalen Einsatz in Afghanistan eingeräumt. Die Mission am Hindukusch sei "härter und langsamer, als alle vorausgesehen haben". Panetta wies auf die zahlreichen Probleme in Afghanistan hin: Es handele sich um eine Stammesgesellschaft, in der es Probleme bei der Regierungsführung sowie mit Korruption, Drogenhandel und dem Aufstand der radikalislamischen Taliban gebe.

Die entscheidende Frage laute, ob die Afghanen Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen wollten, fügte Panetta, der die CIA seit vorigem Jahr leitet, hinzu. Die Taliban seien derzeit besonders gewalttätig und verübten mehr Bombenanschläge, die sich insbesondere gegen die internationalen Truppen richteten, sagte Panetta. Der diesjährige Juni war mit fast hundert getöteten Soldaten der tödlichste Monat für die internationalen Truppen in Afghanistan seit dem US-geführten Einmarsch Ende 2001.

Al Kaida angeblich so schwach wie nie zuvor
Panetta hob jedoch auch Erfolge im Kampf gegen islamische Extremisten hervor. Das Terrornetzwerk Al Kaida, dessen Bekämpfung ein zentrales Ziel des US-Einsatzes in Afghanistan sei, sei derzeit so schwach wie wohl nie zuvor. In Afghanistan gebe es nur noch 50 bis 100 Al-Kaida-Mitglieder, vielleicht auch weniger, so Panetta. "Wir haben weiter eine Wirkung auf ihre Kommando- und Kontrollstrukturen. Wir haben weiter eine Wirkung auf ihre Fähigkeit, Angriffe zu planen." Zudem sei vergangenen Monat Al Kaidas Nummer drei, Mustafa Abu al-Yasid, getötet worden.

Wenn der Druck auf das Terrornetzwerk aufrechterhalten werde, werde es laut Panetta auch gelingen, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden und seinen Stellvertreter Ayman al-Zawahiri aus ihrem Versteck zu scheuchen und sie zu verfolgen. Die meisten Al-Kaida-Kämpfer wie auch ihr Chef Bin Laden halten sich nach Panettas Einschätzung in den an Afghanistan grenzenden pakistanischen Stammesgebieten auf. Dieses Gebiet sei "das schwierigste der Welt". Bin Laden sei sehr gut versteckt und werde durch ein massives Sicherheitsaufgebot geschützt.

Die CIA jagt nach Panettas Angaben auch weiter den jemenitischen Prediger Anwar al-Awlaqi. Der Islamist mit US-Staatsbürgerschaft hatte kürzlich die Muslime in der US-Armee aufgefordert, ihre nicht-muslimischen Kameraden zu töten. Außerdem wird Awlaqi mit mehreren Anschlägen in Verbindung gebracht. "Awlaqi ist ein Terrorist und ja, er ist ein US-Bürger, aber er ist zuerst und vor allem ein Terrorist und wir werden ihn wie einen Terroristen behandeln", sagte Panetta.

Obama bekräftigt Afghanistan-Abzugszeitplan
US-Präsident Barack Obama hat indes seinen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bekräftigt. Er sei von dem Gedanken geradezu besessen, so Obama am Sonntag. Der für Juli 2011 geplante Beginn des Abzugs bedeute aber nicht, dass die USA "plötzlich das Licht ausschalten und die Tür hinter sich zufallen lassen". Die USA würden Afghanistan noch für eine lange Zeit unterstützen - es sei das "vitale nationale Interesse" der USA, dass Afghanistan nicht wieder zum Ausgangspunkt für Terrorangriffe werde.

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