17.12.2019 16:27 |

Missbrauchsfälle

Vatikan hob „päpstliches Geheimnis“ auf

Sexueller Missbrauch unterliegt ab sofort im Vatikan keiner Geheimhaltung mehr. Der Kirchenstaat teilte am Dienstag mit, dass das sogenannte päpstliche Geheimnis in Missbrauchsfällen keine Gültigkeit mehr habe. Damit werden in Zukunft Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden weitergeleitet.

Die von Papst Franziskus unterzeichnete Verfügung tritt dem Vatikan zufolge sofort in Kraft. Direkt genannt wird sexueller Missbrauch in der Verfügung zwar nicht, die Anordnung verweist aber auf zwei Artikel im vatikanischen Recht, in denen es um den Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen geht.

Altersgrenze für Opfer von Kinderpornografie erhöht
Der Verfügung zufolge ist das päpstliche Geheimnis ab sofort nicht mehr auf „Vorwürfe, Prozesse und Urteile“ im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch anwendbar. Zudem dürfen mutmaßliche Opfer von sexuellem Missbrauch gemäß der päpstlichen Anordnung nicht zum Schweigen verpflichtet werden. Außerdem veranlasste der Papst eine Änderung beim Alter von Kindern, die Opfer von pornografischen Darstellungen sind: Es gehört nun zu den schwersten Straftatbeständen, wenn diese Bilder von Kindern im Alter von bis zu 18 Jahren verbreitet oder besessen werden. Bisher war das Höchstalter 14 Jahre.

Kampf gegen sexuellen Missbrauch hat hohe Priorität für Franziskus
Die Entscheidungen sind eine Folge des Anti-Missbrauchs-Gipfels im Vatikan im Februar, zu dem der Papst alle Bischöfe der Welt geladen hatte. Kirchenvertreter begrüßten die erhebliche Lockerung des Geheimhaltungsgebots. In Europa und den USA wurden seit der Jahrtausendwende massenhaft Fälle des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche bekannt. Franziskus hat den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche zu einer Priorität seines Pontifikats erklärt.

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