03.12.2019 11:19 |

Als Sportart verankern

Strache wollte „Pokerkönig“ unter die Arme greifen

Ist Poker-Spielen ein Sport? Wenn es nach Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) geht, dann ja. Wie nun bekannt wurde, setzte sich der ehemalige freiheitliche Parteichef während seiner Amtszeit dafür ein, das Kartenspiel steuerlich wie Sportwetten zu behandeln: Damit hätte sich der Wiener „Pokerkönig“ Peter Zanoni eine Menge Geld gespart. Eine Win-Win-Situation auch für Strache: Die Steuereinnahmen wären mit dieser Änderung in sein Ressort als Sportminister gefallen.

Der „Pokerkönig“ hat ein Problem - weil sich die Abgaben für das Kartenspiel am Einsatz der Spieler und nicht am tatsächlichen Umsatz der Poker-Casinos ausrichten, sind hohe Steuern fällig. In Strache soll Zanoni laut Informationen von „Presse“ und „Standard“ einen Verbündeten gefunden haben, der ihm helfen wollte, diese Abgaben zu verringern.

Kleines Glücksspiel sollte zu Bundessache werden
Darüber hinaus war den Berichten zufolge geplant, das kleine Glücksspiel von der Länder- zur Bundessache zu erklären, was Zanoni ebenfalls genützt hätte, weil er auch Spielautomaten betreibt, das kleine Glücksspiel in einigen Bundesländern verboten wurde und er auf eine günstigere Regelung auf Bundesebene hoffen konnte.

Auch SPÖ-Organisation unterstützt den „Pokerkönig“
Strache bestätigte gegenüber den Zeitungen, dass Zanoni mit seinen Anliegen bei ihm auf offene Ohren stieß: „Wenn Personen an mich herangetreten sind und Missstände aufgezeigt haben, habe ich mich stets dafür eingesetzt, dass diese Ungerechtigkeiten behoben werden.“ Zanoni warb nach eigenen Angaben bei allen Parteien um Unterstützung und will auch die SPÖ überzeugt haben. So hat sich auch der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) in der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien für eine politische Unterstützung seiner Casino-Betriebe ausgesprochen.

Seit Eröffnung des ersten Pokercasinos im Jahr 1993 liegt Zanoni mit den Steuerbehörden im Clinch. Abgabenforderungen der Finanzbehörden in dreistelliger Millionenhöhe führten im Frühjahr 2019 schon zur Insolvenz von mehreren Firmen aus dem Glücksspielreich von Zanoni.

Causa in Hinblick auf Casinos-Affäre interessant
Dass Unternehmen bei der Politik für ihre Anliegen lobbyieren und damit auch Erfolg haben, wäre nicht weiter ungewöhnlich. Interessant wird die Sache allerdings, wenn man sie im Lichte der Causa Casinos Austria betrachtet, deren auf Betreiben der FPÖ eingesetzter Finanzvorstand Peter Sidlo am Montag abberufen wurde. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt, ob Novomatic im Gegenzug Glücksspiellizenzen versprochen wurden.

Darüber hinaus haben auch die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre nun das Umfeld Zanonis erfasst: Die Mitarbeiterin eines früheren Geschäftspartners von Zanoni war früher mit dem „Ibiza-Detektiv“ J. H. liiert, der auch auf dem Ibiza-Video zu sehen ist.

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