19.11.2019 07:00 |

Osttirol

Keine Entwarnung! Neuerlich Regen und Schnee

Die Einsatzkräfte in Ost-, Nord- und Südtirol nutzten Montag die Niederschlagspause für Aufräum- und Sicherungsarbeiten nach Lawinen, Murenabgängen und Schneebruch. Für Dienstag sind wieder Regen und Schnee angesagt. Die Lage bleibt daher angespannt. Mancherorts wurden bereits die Niederschlagsrekorde für den November gebrochen. 

Um 14 Uhr ging Montag die Ranalter Straße im hinteren Stubaital wieder auf. Die Straße war Sonntag von einer Lawine verlegt worden. Von 250 eingeschlossenen Urlaubern war vorerst die Rede. Letztlich waren es 650 Gäste und mehr als 150 Mitarbeiter der Stubaier Gletscherbahnen, die auf der Dresdner Hütte, in der Bergstation der Eisgratbahn oder im Hotel Mutterberg am Talschluss übernachten mussten.

„Eine Person haben wir ausgeflogen“
„Die Urlauber waren sehr diszipliniert, alles lief gut. Eine Person mit chronischer Erkrankung haben wir in der Früh ausgeflogen“, bilanzierte  Seilbahndirektor Andreas Kleinlercher. Die Freigabe der Straße war möglich, nachdem Lawinen abgesprengt worden waren.

Arbeiten am Stromnetz und Versorgungsflüge
Hinein in Sperrgebiete mussten die Einsatzkräfte in Osttirol. Die Wetterbesserung wurde für Erkundungsflüge mit Lawinenexperten und Mitarbeitern der für das Stromnetz zuständigen Tinetz genutzt. Rund 1500 Haushalte in 14 Gemeinden waren gestern noch ohne Strom. „Vorrangiges Ziel ist die Wiederherstellung der zerstörten 110 kV-Leitung zwischen Amlach und Sillian“, informiert Bezirkshauptfrau Olga Reisner.

Einige Täler in Osttirol sind weiterhin von der Außenwelt abgeschlossen. In Prägraten wurden zwei Weiler aufgrund von Lawinengefahr evakuiert. Hubschrauber wurden auch zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten eingesetzt.

Verkehrsverbindungen bleiben gesperrt
Etliche Straßen in Ost-, Süd- und Nordtirol bleiben aufgrund von Lawinen- oder Murengefahr gesperrt. Nach einem Hangrutsch bleibt die Brennerstraße zwischen Stefansbrücke und Schönberg bis Mittwoch zu. „Feuchtes Gesteinsmaterial drückt auf die Sicherungswand aus Holz“, erklärt Landesgeologe Roman Außerlechner. Wann die Felbertauernstraße wieder geöffnet wird, entscheidet sich heute. Auch die Pustertalbahn steht still, nachdem ein Zug in eine Mure krachte. Verletzt wurde niemand. Und auch zwischen Lienz und Innichen fährt bis Ende November kein Zug. Die Oberleitung ist zu schwer beschädigt.

Auch Dienstag wieder Niederschläge
Am Dienstag könnte es noch einmal kritisch werden. „Vor allem in Osttirol ist verbreitet mit Niederschlägen zu rechnen. Die Mengen werden aber nicht mehr so extrem sein wie in den vergangenen Tagen“, berichten die Meteorologen von ZAMG und UBIMET. Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale: „Es handelt sich um ein deutlich schwächeres Italientief als zuletzt, die Niederschlagsmengen sollten sich mit 25 bis 50 Liter pro Quadratmeter in Grenzen halten.“ Spatzierer gibt aber zu bedenken, dass aufgrund der gesättigten Böden neuerlich mit Muren zu rechnen sei.

Appell von LH Platter an die Bevölkerung
Keine Entwarnung also für die Einsatzkräfte. In Osttirol bleiben nicht nur Straßen, sondern auch einige Schulen und Kindergärten gesperrt. Bezirkshauptfrau Reisner und LH Günther Platter, der bei den Erkundungsflügen dabei war, appellieren an die Bevölkerung, die weiter akute Baumbruch-, Muren- und Lawinengefahr zu beachten.

Nach wie vor herrscht in Osttirol sowie entlang der südlichen Ötztaler Alpen, der Brennerregion und den südlichen Stubaier Alpen bis zum Zillertaler erhöhte Lawinengefahr. Erst ab Mittwoch ist mit einer Wetterberuhigung zu rechnen.

November der Negativ-Rekorde
Wie extrem das Wetter in diesem November ist, wird beim Blick auf die Statistiken der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und des Wetterdienstes UBIMET deutlich.

Demnach wurde in Virgen, Kals und Lienz in Osttirol der bisherige November-Niederschlagsrekord gebrochen: In Virgen mit 267 Liter pro Quadratmeter (bisheriger Rekord bei 150), in Kals mit 273 Liter pro Quadratmeter (bisher 176) und in Lienz mit 406 Liter pro Quadratmeter (bisher 331). Zwischen Freitag Früh und Montag Früh fielen in Lienz unglaubliche 206 Liter pro Quadratmeter, in Sillian 184 Liter und in Kals 177 Liter. Damit erreichten Lienz und Kals Dreitages-Mengen, die statistisch nur alle 50 Jahre dort vorkommen.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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