15.11.2019 14:54 |

Zielgruppe auch Männer

Weltweit erstes Vagina-Museum will Tabus brechen

Ein Penis-Museum gibt es bereits in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Der Vagina waren bisher hingegen keine eigenen Ausstellungsräume gewidmet. Das ändert sich am Samstag mit der Eröffnung des weltweit ersten Vagina-Museums im Londoner Szene-Viertel Camden (siehe Video oben). Bei der Ausstellung geht es weniger um Kuriositäten rund um das weibliche Geschlechtsteil als um Aufklärung und den Kampf gegen Tabus. Das Museum richtet sich explizit auch an Männer.

„Ich habe herausgefunden, dass es ein Penis-Museum gibt, aber kein Gegenstück für die Vagina“, sagte Museumsgründerin Florence Schechter, die zu populärwissenschaftlichen Themen arbeitet. „Also habe ich es gemacht.“

Beim Aufbau ihres kleinen Museums, das in Camden in einem alten Gebäude zwischen Second-Hand-Läden und Souvenir-Shops untergebracht ist, konnte sie ihr Wissen einbringen, das sie bei der Organisation von drei Wechselausstellungen zu dem Themenfeld gesammelt hatte.

„Menschen sterben im wahrsten Sinne des Wortes vor Scham“
Und es scheint wirklich Bedarf zu geben, denn laut Schechter gehen viele Frauen sehr schamhaft mit ihrer Scheide um. So habe eine Umfrage gezeigt, dass ein Viertel der Frauen in Großbritannien sich nicht auf Gebärmutterhalskrebs testen lasse, weil ihnen der Abstrich beim Frauenarzt unangenehm sei. „Menschen sterben im wahrsten Sinne des Wortes vor Scham“, sagte die Museumsgründerin.

Laut einer Umfrage des Instituts YouGov aus diesem Jahr können außerdem mehr als die Hälfte der Briten auf einer Zeichnung nicht zeigen, wo sich die Vagina befindet. Wie es mit ihrem eigenen Wissen rund um die Vagina bestellt ist, können die Museumsbesucher zum Einstieg mit einem Fragebogen testen.

Auch Intimhygiene ist Teil der Ausstellung
In der Ausstellung werden die Besucher dann mit Mythen rund um die Vagina konfrontiert wie „Wenn man einen Tampon benutzt, ist man keine Jungfrau mehr“ oder „Es ist unmöglich, die Klitoris zu finden“. Ein Teil der Ausstellung ist dem Thema Intimhygiene gewidmet. Dort werden kuriose Produkte wie „Jungfräulichkeitsseifen“ oder Vagina-straffende Cremes gezeigt. Museumskuratorin Sarah Creed sagte, solche Produkte verfestigten „die Vorstellung bei Menschen mit Vagina, dass das, was sie haben, nicht gut genug ist“.

Auch in puncto Monatsblutung werde Frauen oftmals ein negatives Selbstbild vermittelt, meinte Creed. So sei es eine verbreitete Ansicht, dass Frauen während der Periode unrein seien. Ein Statement dagegen ist die Skulptur eines Tampons, der statt mit Blut mit roten Pailletten umhüllt ist.

Weniger glamourös ist die Unterhose mit Scheidenausfluss, die in dem Museum an der Wand hängt. „Das ist meine ausgeblichene Unterwäsche“, bekennte Creed freimütig. „Ich habe sie eingerahmt, um euch zu sagen, dass das okay ist. Sorry, Mama!“

„Wir erleben gesellschaftlichen Wandel“
Museumsgründerin Schechter meinte, dass die Aufgeschlossenheit gegenüber Aspekten der weiblichen Sexualität durch die #MeToo-Debatte in den vergangenen Jahren schon deutlich zugenommen habe. Bei den Veranstaltungen des Museums im Vorfeld der Eröffnung kamen ihr zufolge tatsächlich die unterschiedlichsten Menschen im Alter zwischen zwei und 98 Jahren. „Ich glaube, wir erleben gerade einen großen gesellschaftlichen Wandel und wir sind nur ein Teil davon“, sagte Schechter.

Ein paar Anrainer sind allerdings besorgt, dass das Museum mit seinem Gratis-Eintritt alkoholisierte junge Leute anzieht, die mit den Vagina-Exponaten herumalbern wollen. Die eher nüchterne Herangehensweise der Ausstellung an das Thema dürfte solche Besucher allerdings enttäuschen. Trost finden sie dann vielleicht im Museumsshop: Dort gibt es beispielsweise Postkarten mit der Aufschrift „Viva la Vulva“ und Ohrringe in Form des weiblichen Geschlechtsteils zu kaufen.

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