Warnen vor Bremser

Kinder, Rettung, BBT – 3 Baustellen mit Verzögerung

Tirol
09.06.2010 08:45
Kinderbetreuung, Rettungswesen und Basistunnel - das sind momentan die drei großen Baustellen der Landesregierung. Vor Verzögerungen gewarnt wird allenthalben: Am Dienstag war es SPÖ–Klubobmann Ernst Pechlaner, der sich kritisch zu Wort meldete: "Wenn noch weiter verzögert wird, verlieren wir ein ganzes Jahr! Das geht wieder auf Kosten der Zukunft unserer Kinder, die uns doch allen am Herzen liegen sollte."

Da kann er gleich seinen Parteifreund Edgar Kopp ins Gebet nehmen: Der Rumer Bürgermeister ist stellvertretender Chef des Gemeindeverbandes und gilt bei der Landes-VP als Bremser in Sachen Kinderbetreuung. "Das Angebot des Landes reicht uns nicht aus. Wir sind gebrannte Kinder", sagte Kopp und verlangt Finanzierungsgarantien über 2013 hinaus. 

Es geht aber nicht nur ums liebe Geld: "Manche Ortschefs legen sich auch deshalb quer, weil sie Frauen lieber am Herd sehen wollen als am Arbeitsplatz", berichtet ein VP-Insider: "Sie sehen nicht ein, warum die Gemeinde dafür zahlen soll, dass die Frau nicht bei den Kindern ist."

2. Baustelle: Rettungswesen
Verzögert hat sich auch die Neuordnung des Rettungswesens, das ja jetzt noch einmal neu ausgeschrieben werden soll. Konkrete Auswirkungen hat die Sache auch schon: Nach Informationen der liste fritz ist die Rot-Kreuz-Ortsstelle Nauders die erste von bis zu zehn Ortsstellen in ganz Tirol, die jetzt von der Schließung betroffen sind. "Zu befürchten ist eine massive Verschlechterung für die Gesundheitsversorgung für Einheimische und Gäste in der Region", warnt Landtagsabgeordneter Bernhard Ernst. "Nauders hat mehr als 1.500 Einwohner, 600 Saisonniers und 4.000 Gästebetten. Im Sommer führt durch die Region eine sehr beliebte Motorradstrecke", warnt die liste fritz.

3. Baustelle: Brenner-Basistunnel
Verzögerungen drohen auch beim Bau des Brenner-Basistunnels, falls Infrastrukturministerin Doris Bures tatsächlich den Geldhahn zudreht. "Jetzt das Projekt zu stoppen, wo bereits 300 Millionen in Erkundungs- und Fensterstollen gesteckt worden sind und mehr als 2 Milliarden Euro in die Unterinntaltrasse, wäre unverantwortlich", erklärt Landeshauptmann Günther Platter und warnt vor Verzögerungen.

Ein Zwischenergebnis des Gipfels der Verkehrsminister in Saragossa (Spanien): Der frühere EU-Parlamentspräsident Pat Cox wird neuer Koordinator für den Brennerbasistunnel. "Wenn die EU den Tunnel als so wichtig erachtet, soll diese doch aufgefordert werden, mindestens die Hälfte der derzeit angenommenen Kosten von zehn Milliarden Euro zu zahlen", meint die Initiative Lebenswertes Wipptal. Derzeit betrage der Finanzierungsbeitrag der EU lediglich knapp 9 Prozent. Dabei sei die EU doppelter Gewinner: "Erstens erhält sie eine weitere Alpendurchfahrt vom österreichischen Steuerzahler finanziert und zweitens kann der Straßentransit während der mindestens 20-jährigen Bauzeit des BBT wegen der Querfinanzierung ungezügelt weiterrollen."

von Philipp Neuner, Tiroler Krone

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