04.11.2019 16:00 |

Wut auf Iran wächst

Tote nach Schüssen auf Demonstranten im Irak

Die seit Wochen anhaltenden Proteste im Irak eskalieren zusehends. Erstmals sollen Sicherheitskräfte in Bagdad mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen haben. Dabei sollen mindestens fünf Menschen getötet worden sein. Wie Augenzeugen berichteten, fielen die Schüsse am Montag in der Umgebung des Sitzes des Staatsfernsehens. Auch in der zentralirakischen Stadt Kerbela wurden mehrere Menschen erschossen, als wütende Demonstranten versuchten, das iranische Konsulat zu stürmen. Das Mullah-Regime, dessen Einfluss im Irak sehr groß ist, gerät immer mehr ins Visier der Protestierenden.

„Kerbela frei, raus mit dem Iran“, stand auf Fahnen, die Demonstranten in der Nacht zum Montag vor der diplomatischen Vertretung des Irans in der heiligen Stadt der Schiiten schwenkten. Teilnehmer versuchten nach Berichten von AFP-Korrespondenten, über die Mauern des Konsulats zu klettern und Feuer zu legen. Sicherheitskräfte gaben daraufhin Schüsse ab.

Demonstrant: „Wir wollen einfach, dass unser Land frei ist“
„Sie wollen uns töten, nicht auseinander treiben“, beklagte ein Demonstrant das Vorgehen der Sicherheitskräfte. „Wir wollen einfach, dass unser Land frei ist, ohne von einem anderen Land gesteuert zu werden“, ergänzte er mit Blick auf den Einfluss des Iran.

Im Irak protestieren seit Anfang Oktober Zehntausende gegen Korruption und die hohe Arbeitslosigkeit im Land. Die Demonstranten werfen dem Nachbarstaat Iran auch vor, für das korrupte System im Irak mitverantwortlich zu sein.

Die von Studenten und Gewerkschaften organisierte Protestbewegung wendet sich mittlerweile gegen die gesamte politische und religiöse Führung des Landes. Bisher wurden mehr als 250 Menschen bei den Protesten getötet, die meisten von ihnen Demonstranten.

Regierungschef zum Rücktritt bereit
Regierungschef Adel Abdel Mahdi rief die Bevölkerung am Sonntagabend auf, „zum normalen Leben zurückzukehren. Zahlreiche Forderungen“ der Protestbewegung seien bereits erfüllt worden. So waren in den vergangenen Tagen bereits Neuwahlen angekündigt worden, sobald eine Reform des Wahlgesetzes verabschiedet worden ist. Zudem verkündete Staatspräsident Barham Saleh, dass Ministerpräsident Mahdi zum Rücktritt bereit sei, wenn sich die Parteien auf einen Nachfolger einigen können.

Zugang zu Ölfelder blockiert
Die bisherigen Zusagen zu vorgezogenen Neuwahlen und Reformen beschwichtigten die Demonstranten bisher jedoch nicht. Am Wochenende blockierten Demonstranten im südlichen Amara den Zugang zu zwei Ölfeldern, in der südlichen Stadt Um Qasr den Weg zum Hafen. Dutzende Schiffe konnten dort nach Angaben aus Behördenkreisen nicht entladen werden.

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