"Brauche Hilfe!"

HNO-Patient leidet 1,5 Jahre nach OP noch an den Folgen

Tirol
05.06.2010 22:32
Seit über einem Jahr behängt gegen den Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Klinik ein Strafverfahren. Wegen Körperverletzung (über 20 Fälle) und Tötung (zwei Fälle) von Patienten. Einer von ihnen, der Busfahrer Mirko Spasojevic (Bild, links), ist seit dem Eingriff durch den HNO-Chef im Oktober 2008 praktisch taub. Und leidet an weiteren, tückischen Folgen. Er sagt: "Ich brauche endlich Hilfe!"

"Krone": Herr Spasojevic, wie geht es Ihnen?
Mirko Spasojevic: Schlecht. Ich kam mit einem kleinen Trommelfelleinriss ohne Höreinschränkung an die HNO. Heute bin ich rechts taub, habe eine Gesichtslähmung und eine Geschmacksschädigung. Ich vertrage keine Zugluft, ständiges Pochen und ein dröhnendes Geräusch plagen mich. Und ich wurde nicht aufgeklärt. Psychisch bin ich fertig.

"Krone": Sie könnten in den Krankenstand gehen. 
Spasojevic: Um Gottes willen! Da würde ich meinen Job verlieren. Ich brauche dringend medizinische Hilfe. An die HNO gehe ich nicht mehr. Dort sagte man mir, als ich wegen meiner Probleme nachfragte, ich solle zu Gericht gehen. Oder man schickt mich wieder in die Psychiatrie nach Hall.

"Krone": Wie steht das Verfahren derzeit?
Marco Rovagnati (Spasojevic-Anwalt): Es gibt hier einiges aufzuklären. Ein Klinik-Gutachten spricht von schicksalshaftem Verlauf, befand eine Mittelohrentzündung und erblickt keinen OP-Fehler. Dagegen glaubt Gerichtsmediziner Walter Rabl sehr wohl an das Vorliegen eines Kunstfehlers. Mein Mandant hatte laut Prof. Riechelmann vor der OP einen Pilzbefall. Was sein HNO-Facharzt aber ausschließt. Zudem hätte man bei einem Pilzbefall gar nicht operieren dürfen. Derzeit ermittelt der Staatsanwalt. Ein Gutachter prüft den Fall.

"Krone": Laut Staatsanwaltschaft weilte dieser Gutachter zuletzt in Innsbruck. Wurden Sie von ihm untersucht?
Spasojevic: Nein, ich weiß nichts von einem Gutachter.

"Krone": Nach parlamentarischer Anfrage durch den SP-Justizsprecher, warum der HNO-Chef noch immer im Amt sei, antworteten Wissenschaftsministerin und Med-Uni: Alle Vorwürfe, also auch Ihre, hätten sich als haltlos erwiesen.
Spasojevic: Hätten diese Leute mit mir gesprochen, würden sie sowas nie sagen! 

Für Prof. Herbert Riechelmann gilt die Unschuldsvermutung. Von Seiten der Tilak wird betont: Man könne zu einem laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen. Eine lückenlosen Aufklärung wird aber dringend eingefordert.

von Hans Licha, Tiroler Krone

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