Gaza-Hilfsschiff

Israels Marine stürmt erneut Gaza-Hilfsschiff

Ausland
05.06.2010 14:23
Israelische Soldaten haben am Samstag ihre Drohung wahr gemacht und das Gaza-Hilfsschiff "Rachel Corrie" gestürmt. Man habe den unter irischer Flagge fahrenden Frachter übernommen, es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen, teilte eine Armeesprecherin mit. Die Besatzung und die Passagiere an Bord des Schiffes auf dem Weg zum unter israelischer Blockade stehenden Gazastreifen hätten "voll kooperiert".

Das Schiff wird nach Angaben der Sprecherin jetzt in den Hafen von Ashdod geschleppt. Dort sollen die etwa 1.200 Tonnen Hilfsgüter inspiziert und anschließend in den Gazastreifen weitergeleitet werden.

Schiff acht Stunden lang verfolgt
Die israelische Marine hatte das Schiff der Gaza-Solidaritätsflotte mehr als acht Stunden lang im Mittelmeer verfolgt. Die Besatzung widersetzte sich insgesamt vier Aufforderungen, den Kurs zu wechseln und nicht in die Küstengewässer vor dem Gazastreifen zu fahren. Die pro-palästinensischen Aktivisten wollten mit ihrer Aktion gegen die seit drei Jahren anhaltende Blockade des Gazastreifens protestieren. Israel begründet die Abriegelung des Küstenstreifens damit, Waffenschmuggel in das von der radikalen palästinensischen Hamas kontrollierte Gebiet unterbinden zu wollen.

Das Schiff hatte ungeachtet der israelischen Warnungen Kurs auf Gaza genommen, um dort Hilfsgüter zu entladen. "Wir wollen die Blockade des Gazastreifens durchbrechen. Wir haben keine Angst", hatte die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire erklärt, die sich zusammen mit 14 weiteren Gaza-Solidaritätsaktivisten an Bord des Schiffes befindet. Benannt ist das Boot nach der Menschenrechtskämpferin Rachel Corrie, die im Jahr 2003 von einem Bulldozer der israelischen Armee tödlich verletzt wurde. 

"Bereit, Waffen zu benutzen"
"Unsere Soldaten werden bei Ihnen an Bord gehen, wenn Sie sich weigern abzudrehen", hatte eine Armeesprecherin in einer Funkbotschaft an die Besatzung der "Rachel Corrie" angekündigt. Die Armee sei "bereit, unsere Waffen zu benutzen, um uns zu verteidigen, wenn die Notwendigkeit zu spüren ist".

Israels Regierungssprecher Mark Regev warf den Aktivisten vor, politische und keine humanitären Ziele zu verfolgen. Sie hätten am späten Freitagabend Vorschläge der israelischen und der irischen Regierung ignoriert, die Güter an Bord des Schiffes den Bewohnern des Gazastreifens auf andere Art und Weise zukommen zu lassen. Daher sei klar, dass sie ein politisches Statement abgeben wollten, um das Hamas-Regime zu unterstützen.

USA: "Eskalation vermeiden"
Auch die US-Regierung hatte die Schiffsbesatzung zuvor zur Kursänderung aufgerufen, um eine erneute Eskalation zu vermeiden. Zugleich erklärte ein Präsidialamtssprecher, die gegenwärtigen Bedingungen der Gaza-Blockade seien nicht tragbar und müssten geändert werden. Die US-Regierung berate mit Israel, der palästinensischen Regierung und internationalen Partnern über Möglichkeiten, mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen zu liefern. UNO-Hochkommissarin Pillay bezeichnete die Abriegelung des Küstengebiets als unrechtmäßig.

Ägypten hatte am Donnerstag seine Landgrenze zum Gaza-Streifen aus humanitären Gründen geöffnet. Bis Samstag passierten nach ägyptischen Angaben etwa 3.500 Palästinenser den Grenzübergang Rafah, darunter Patienten, die ärztliche Hilfe in Ägypten suchten. 250 Lastwagen brachten Hilfsgüter in den Gazastreifen.

Aktivisten aus kurzer Entfernung erschossen
Bei der Erstürmung eines türkischen Schiffes des internationalen Gaza-Hilfskonvois hatten israelische Soldaten am Montag neun Solidaritätsaktivisten getötet und mehr als 40 weitere zum Teil schwer verletzt.

Das Autopsie-Ergebnis der getöteten Aktivisten könnte den Druck auf die Regierung in Jerusalem erhöhen. Bis auf eine Leiche wiesen alle Opfer mehrere Wunden von Schüssen aus kurzer Entfernung auf, zitierte die britische Zeitung "The Guardian" am Samstag aus dem kriminaltechnischen Untersuchungsbericht aus der Türkei. Die israelische Regierung sieht darin aber keinen Widerspruch zu ihrer Darstellung, dass die Soldaten nur aus Notwehr geschossen hätten.

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