Mord aus Rache?

Blutbad in Brüsseler Gericht – Täter in Park gefasst

Ausland
04.06.2010 08:53
Bei einer Schießerei in einem Brüsseler Gerichtsgebäude sind am Donnerstag eine Richterin und ein Justizangestellter getötet worden. Nach Angaben von Justizminister Stefaan De Clerck erschoss der Täter die beiden Opfer am späten Vormittag während einer Verhandlung in einem Nebengebäude des Justizpalasts. Am Donnerstagabend konnte ein Verdächtiger festgenommen werden. Laut Medien handle sich um einen 47 Jahre alten Iraner, der angebe, er habe aus Rache gehandelt.

Nach Angaben eines Sprechers der Brüsseler Staatsanwaltschaft wohnte der Täter zunächst der Verhandlung der Richterin bei, die unter anderem mit Nachbarschaftsstreits und Scheidungskonflikten befasst war. Kurz vor Ende zog er einen Revoler und schoss gezielt auf die 60-Jährige und den Gerichtsschreiber. Zu dem Zeitpunkt waren nur noch zwei oder drei Anwälte anwesend. Einer von ihnen habe den Täter kurz verfolgt, doch verlor sich dessen Spur "in den Straßen des Viertels", sagte der Sprecher. Am späten Abend konnte ein Verdächtiger in einem Park im Stadtzentrum gefasst werden.

Justizminister spricht von "Drama"
Der amtierende Regierungschef Yves Leterme berief eine Sondersitzung mit Justizminister De Clerck und Innenministerin Annemie Turtelboom ein. De Clerck sprach nach einem Besuch am Tatort von einem "Drama". Dies sei noch nie in einem belgischen Gerichtssaal passiert, sagte er im Fernsehen. Nach seinen Angaben hatte die Richterin einen "exzellenten Lebenslauf". 

De Klerk forderte eine "ruhige Debatte" über die Sicherheit vor allem in Justizgebäuden. Es könne nicht darum gehen, "Kameras in jeden der 250 Gerichtssäle zu installieren oder einen Polizisten hineinzusetzen". Gleichzeitig kündigte er eine Unterbrechung seines Wahlkampf für die vorgezogen Parlamentswahl am übernächsten Sonntag an.

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen
In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen in belgischen Gerichten gegeben. Unter anderem war es im August 2009 drei Häftlingen gelungen, mithilfe zweier bewaffneter Komplizen aus dem Brüsseler Justizpalast zu entkommen.

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