Linzer Musiktheater

„Le Sacre“: Wolfskind, Nazis und Reizwäsche

Oberösterreich
28.10.2019 15:30
Porträt von krone.at
Von krone.at
Wuchtige Musik, stimmige Ästhetik, hingebungsvolle Tänzer – aber ein Konzept, das nicht vollends überzeugte: „Le Sacre“ im Linzer Musiktheater bot zwar einen eindringlichen Theaterabend, doch Tanzdirektorin Mei Hong Lin hatte dieses Mal mit ihrer Deutung nicht den Finger am Puls der Zeit. Wolfsmädchen, Nazi-Schergen, Krankenschwestern in Reizwäsche – zu viel ging in diesem Stück vor.

Poetisch und bezaubernd begann der zweiteilige Tanzabend „Le Sacre“ bei der Premiere im Linzer Musiktheater: Im ersten Teil wurde zu Richard Strauss’ „Metamorphosen“ hingebungsvoll getanzt – eine verbotene Liebe im Krieg gefühlvoll dargestellt von Lara Bonnell Almonem und Nimrod Poles. Dirk Hofacker schuf dazu eine unaufdringliche Ausstattung in gedeckter Ästhetik.

Weniger wäre mehr gewesen
Im zweiten Teil dann die Sternstunde des Linzer Bruckner Orchesters unter Chefdirigent Markus Poschner – „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky wummerte kraftvoll, punktgenau und mitreißend durch den Saal. Oberhalb des Orchestergrabens fand jedoch keine Sternstunde statt. Tanzdirektorin Mei Hong Lins Deutung des Jahrhundertmusikstücks war verwirrend und wollte zu viel auf einmal. Die Geschichte des von Nazi-Schergen im KZ gequälten Adam (Valerio Iurato), der später in einer Heilanstalt ein Wolfsmädchen (Núria Giménez Villarroya) retten will und dabei stirbt, scheint arg weit hergeholt und überforderte den Zuseher auch mit der Gleichzeitigkeit der beiden Zeitebenen. Die Darstellung der Geisteskranken in der Nervenheilanstalt grenzte überdies in ihrer klischeehaften Vereinfachung an Geschmacklosigkeit. Und warum noch eine Krankenschwester in Reizwäsche (Mireia González Fernández) als Adams Geliebte für die Handlung nötig war, erschloss sich nur schwer. Zwar ausgeführt in Perfektion vom gesamten Linzer Tanzensemble, überzeugte die Inszenierung in diesem zweiten Teil des Abends nicht. Weniger wäre mehr gewesen.

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung

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