27.10.2019 06:00 |

Kritisch betrachtet

Wasserstoff-Toyota Mirai: Nur schön reicht nicht

Toyota präsentiert auf der Tokyo Motor Show (genauer gesagt etwas abseits davon) die zweite Generation des Mirai, der Limousine mit Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der neue Mirai ist größer und vor allem optisch deutlich gefälliger. Vielleicht haben die Japaner deshalb so hochtrabende Absatzziele.

Seit der Markteinführung vor fast fünf Jahren fanden gerade einmal 10.000 Exemplare einen Käufer, künftig sollen es deren 30.000 sein - pro Jahr! Klar, Toyota hat sich bei der Weiterentwicklung kräftig ins Zeug gelegt, aber das löst nicht die grundsätzliche Nebenrolle, die Wasserstoff als Treibstoff einnimmt. Die Sinnhaftigkeit ist zu Recht mehr als umstritten.

Optisch gibt es nun zumindest äußerlich nichts mehr auszusetzen. Schreckte der erste Mirai einigermaßen geschmackssichere Wasserstofffans noch mit seinem wilden Design ab, kommt der neue richtig schnittig daher. Auf 4,97 Meter Länge ist der Mirai gewachsen, außerdem duckt er sich mit 1,47 Meter eine Handbreit tiefer auf den Asphalt. Die Linie ist die eines Gran Turismo, bei BMW würde so etwas Gran Coupé heißen. Eine klassisch schöne Form.

Im neu gestalteten Innenraum ist es aber vorbei mit eitel Wonne. Alles wirkt billig und vor allem ist das Platzangebot nicht nur angesichts der Fahrzeuggröße deutlich zu gering. Die Mittelkonsole ist so breit, dass man als Fahrer in jedem Kleinwagen besser sitzt. Und auf der Rückbank, wo nun drei statt zwei Mitreisende zugelassen sind, sollte man sich als nicht ganz klein gewachsener Mensch tunlichst gut anlehnen - denn wenn man sich nach vorn beugt, schlägt man sich den Kopf an einer kaum gepolsterten Querstrebe im Dach an.

Da hält sich die Freude über die gestiegene Reichweite in Grenzen, 650 Kilometer sollen es mit einer Tankfüllung sein. Weitere technische Daten nennt der Hersteller jedoch noch nicht. Auch über den Preis hüllt man sich noch in Schweigen. Die aktuelle Generation kostet knapp 80.000 Euro.

Auf der Tokyo Motor Show konnte man jedenfalls den Eindruck gewinnen, dass Toyota nicht so recht wusste, wohin mit dem Mirai. Er steht nicht direkt auf der Messe, sondern im Komplex eines Shopping Centers in einer schrillen Extra-Halle, wo es um Konsolenspiele geht und man in Stadionatmosphäre auf Riesenleinwänden Playstation-Autorennen mitverfolgen kann. Ein ungewöhnliches Umfeld für eine Autopräsentation - aber auch ein ungewöhnliches Auto für den Massenmarkt.

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