10.10.2019 07:00 |

Equal-Pay-Day

Frauen haben ab heute die Null am Lohnzettel

Ein trauriger Tag für Frauen im Kalender: Der Equal-Pay-Day fällt heuer in Salzburg auf den 10. Oktober. Heute ist der Tag, an dem Männer im Durchschnitt bereits so viel verdient haben, wie Frauen bis zum Ende des Jahres verdienen werden. Eine Ungerechtigkeit, die sich durch das Berufsleben bis in die Pension zieht.

Ab heute arbeiten die Salzburgerinnen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen bis Jahresende gratis. Die Tatsache, dass sich der Equal-Pay-Day im Vergleich zum Vorjahr um einen Tag nach hinten verschoben hat, tröstet nicht. In vielen Bereichen des Arbeitsmarktes sind Frauen noch immer nicht gleichgestellt, wie Zahlen des AK-Frauenmonitors belegen: Im Schnitt bekommen Salzburgerinnen für dieselbe Arbeit 11.467 Euro im Jahr weniger als ihre Kollegen.

Ein Jahr Teilzeit heißt ein Prozent weniger Pension

Eine Erklärung dafür ist die hohe Teilzeitrate. Die wird gerade in der Pension zur Armutsfalle, weiß Sarah Baier, Referentin für Sozialversicherungsrecht bei der Arbeiterkammer Salzburg: „Als Faustregel gilt: Ein Jahr in Teilzeitbeschäftigung verringert die Pension um ein Prozent. Wer ein ganzes Jahr pausiert, um sich um die Kinder zu kümmern, verliert gleich zwei Prozent.“ Zwar werden nach der Geburt eines Kindes die ersten 48 Monate als Kindererziehungszeiten angerechnet. Doch sind es noch immer überwiegend Frauen, die die Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen übernehmen. Für die Pension kommt da wenig zusammen. „Künftig zählt jedes Erwerbsmonat für die Pension. Wer durch eine Teilzeitanstellung weniger verdient, für den schaut es am Ende trist aus“, sagt Baier. Konkret bekommen Frauen im Schnitt um 40,6 Prozent weniger Pension als Männer. Eine Möglichkeit für eine faire Aufteilung in der Beziehung ist das Pensions-Splitting: Jener Elternteil, der sich der Kindererziehung widmet, erhält dabei vom Partner eine Gutschrift am Pensionskonto.

Gleiche Talente, ungleiche Chancen?

Die Wurzel der Ungleichheit liegt oft schon in der Berufswahl. Nach wie vor entscheiden sich 43 Prozent der Mädchen für einen der drei Lehrberufe im Dienstleistungsbereich: Einzelhandel, Büro oder Friseurin. Über die gesamte Lehrzeit verdienen sie damit rund 3900 Euro weniger als bei den Top-3-Lehrberufen der Buben. Dabei wären sie nicht weniger qualifiziert, sagt Lukas Mang, Leiter des Talente-Checks der Salzburger Wirtschaftskammer: „Wir testen die Jugendlichen nach objektiven Methoden auf ihre Fähigkeiten. Auch die persönliche Beratung erfolgt objektiv, um vorgefassten gesellschaftlichen Rollenbildern vorzubeugen.“

Am Kran-Simulator erzielen die meisten Mädchen ebenso gute Ergebnisse wie die Buben, trotzdem entscheiden sich immer noch wenige für eine Berufsausbildung im technischen Bereich. „Die Mädchen trauen sich sowas oft nicht zu. Das wirkt sich auf den beruflichen Erfolg aus“, erklärt Mang. Persönliche Interessen spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Auch Arbeiterkammer-Präsident Peter Eder will schon im Schulalter mehr Maßnahmen setzen. Er sieht großes Potenzial in Schwerpunktschulen für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Der Präsident der Arbeiterkammer Salzburg kennt die Probleme der Frauen in der Arbeitswelt. Er fordert im Interview mit der „Krone“ Maßnahmen zur Geschlechtergleichstellung:

Warum gibt es noch immer so große Einkommensunterschiede?

Es gibt drei wesentliche Probleme: Typische Frauenberufe sind noch immer unterbezahlt. Von einem gesetzlichen Mindestlohn würden gerade Frauen profitieren. Zweitens ist die Kinderbetreuung im ländlichen Raum so schwach. Und drittens das Problem der Teilzeitbeschäftigung. Es gibt viele, die Teilzeit arbeiten wollen, andere aber müssen, weil sie keine Vollzeitstelle bekommen.

Es wurden in der Vergangenheit schon Maßnahmen gesetzt. Reichen die?

Die Anrechnung der Karenzzeiten und der „Papamonat“ sind wichtige Schritte, aber noch lange nicht genug.

Was braucht es noch?

Längere Öffnungszeiten in der Kinderbetreuung, der Ausbau der mobilen Pflege und ein Mindestlohn von 1700 Euro würden die Situation entschärfen. Damit schafft man Rahmenbedingungen, damit weniger Frauen Teilzeit arbeiten. Denn wer einmal beginnt, kommt nicht mehr raus und landet nicht selten in Altersarmut.

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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